Psychiatrie

G-BA: Disease-​Management-Programme

Depressionen können zukünftig in Disease-​Management-Programmen behandelt werden

Berlin (15. August 2019) – Patientinnen und Patienten, die an wiederkehrenden oder lang andauernden Depressionen leiden, können zukünftig in einem strukturierten Behandlungsprogramm (Disease-​Management-Programm, DMP) behandelt werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am Donnerstag in Berlin die Details zur inhaltlichen Ausgestaltung des neuen DMP beschlossen. Hierbei geht es um die Festlegung der Zielgruppe des Behandlungsangebots, die Therapieziele und -​planung sowie Empfehlungen für die therapeutischen Maßnahmen. Patientinnen und Patienten können sich in das Programm einschreiben lassen, nachdem die gesetzlichen Krankenkassen mit Ärztinnen und Ärzten und/oder Krankenhäusern Verträge zur praktischen Umsetzung des DMP abgeschlossen haben.

Depression

Antidepressiva können das empathische Einfühlungsvermögen verringern

Wien, Österreich (18. Juni 2019) -- Depression ist eine Störung, die oft mit starken Beeinträchtigungen des Soziallebens einhergeht. Bisher galt die Annahme, dass auch empathisches Einfühlungsvermögen, eine wesentliche Fähigkeit für ein gelingendes Sozialleben, bei der Depression beeinträchtigt ist. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von ExpertInnen von der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien konnte nun gezeigt werden, dass die Beeinträchtigungen des empathischen Einfühlungsvermögens bei Schmerzwahrnehmung offenbar auch auf Antidepressiva zurückgeführt werden können. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry veröffentlicht.

Erster psychologischer Test zur „Gaming Disorder“ entwickelt

Harmloses Computerspielen oder schon Gesundheitsrisiko?

Ulm (4. Juni 2019) - Kürzlich hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Computerspielsucht ("Gaming Disorder") als psychische Erkrankung anerkannt. Nun veröffentlichen Forschende um den Ulmer Psychologieprofessor Christian Montag den ersten psychologischen Test zur "Gaming Disorder". Der Online-Test ist bereits an mehr als 550 Studierenden aus Großbritannien und China erprobt worden und soll die Grundlage einer der bislang größten wissenschaftlichen Untersuchung zur Computerspielsucht bilden.

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Neue First-line Therapie bei adulter ADHS*

Berlin (17. Mai 2019) – Das Prodrug-Stimulanz Lisdexamfetamin (LDX) ist seit dem 1. Mai 2019 unter dem Produktnamen Elvanse Adult® als Erstlinientherapie für erwachsene ADHS-Patienten auf dem deutschen Markt verfügbar. Eine nachgewiesene Wirkdauer von 14 Stunden nach Einnahme sorgt für eine zuverlässige Ganztagsabdeckung.1,2  Shire, jetzt Teil von Takeda, ist seit vielen Jahren ein etablierter Anbieter eines breit gefächerten Portfolios zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS. Bei 60 % der Kinder und Jugendlichen mit ADHS bleiben die Symptome im Erwachsenenalter bestehen.3 Sie verändern sich dabei in ihrer Ausprägung – Hyperaktivität wird in der Regel durch eine innere Unruhe abgelöst.3 Auch ineffizientes Arbeitsverhalten sowie eine niedrige Frustrationstoleranz gehören zur Symptomatik adulter ADHS.4,5

Optische Kohärenztomographie (OCT)

Netzhautscans bei psychischen Erkrankungen:
Schizophrenie könnte „ins Auge gehen“

Ulm (3. Mai 2019) - Die psychische Erkrankung Schizophrenie und ihre Unterformen sind oft nur schwer von anderen Krankheiten abzugrenzen. Jetzt haben Forschende der Ulmer Universitätsmedizin Hinweise gefunden, dass eine Augenuntersuchung mittels Optischer Kohärenztomographie die Diagnostik verbessern könnte. Womöglich trägt diese nebenwirkungsfreie Methode aus der Augenheilkunde in Zukunft sogar dazu bei, die Therapie individueller zu gestalten.

Mainz UniNeue Erkenntnisse in der Resilienzforschung

Neuer Ansatz zur Verbesserung der Angsttherapie entdeckt

Mainz (11. Dezember 2018) - Traumatische Erfahrungen können sich tief in das Gedächtnis eingraben. Wie sich eine daraus entstandene Furcht langfristig reduzieren lässt und wie es nach einer Traumatisierung gar nicht erst zu einer dauerhaften Belastungsstörung kommt, darauf haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz neue Hinweise gefunden: Der Schlüssel liegt in entsprechenden neuen, positiven und fest im Gedächtnis verankerten Erfahrungen. Durch diese lernen die Traumatisierten, dass die angstauslösenden Reize oft harmlos sind. Dafür ist es allerdings erforderlich, dass sich Betroffene ihren Angstauslösereizen immer wieder aussetzen. Die Forscher haben die Hirnprozesse, die solchen positiven Lernerfahrungen zugrunde liegen, genauer untersucht. Die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Erkenntnisse könnten helfen, die Therapie von Angsterkrankungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zu verbessern sowie entsprechende präventive Maßnahmen zu entwickeln.

Die Zukunft im Blick: Schizophreniebehandlung mit Perspektive 

  • Rezidivprophylaxe sichern2,3 und Patientenwünsche ermöglichen5
  • Abilify Maintena® führt zu statistisch signifikanten Verbesserungen der Lebensqualität und Funktionalität10
  • Auch stabil auf ein orales Antipsychotikum eingestellte Patienten können von einer Depot-Therapie profitieren
  • Sowohl jüngere Patienten mit weniger Episoden und einer kürzeren Krankheitsdauer als auch schwer erkrankte Patienten könnten von Abilify Maintena® profitieren13,14
  • Frauen könnten von einer Umstellung auf ein Depot noch mehr profitieren als Männer15

Berlin (29. November 2018) - Die moderne Schizophrenietherapie hat neben einer langfristigen Kontrolle der Positiv- und Negativsymptomatik auch die Verbesserung der funktionellen und psychosozialen Einschränkungen der Patienten im Blick [1]. Eine gute Symptomkontrolle und ein verringertes Rezidivrisiko lassen sich häufig durch eine kontinuierliche Pharmakotherapie (z. B. mit Aripiprazol-Depot) erreichen [2,3], während eine diskontinuierliche Pharmakotherapie das Rezidivrisiko deutlich erhöht [4]. Weniger Rezidive bedeuten für den Patienten eine seltener durch psychotische Phasen und Hospitalisierungen unterbrochenes Leben und damit eine bessere Integration in den Alltag. Dabei hat für die Patienten eine größtmögliche Normalität die höchste Priorität. Diese kann durch den Erhalt der Selbstständigkeit, eine normalisierte Funktionsfähigkeit hinsichtlich Beruf und Haushalt und eine verbesserte Lebensqualität erreicht werden [5]. Eine aktuelle Befragung an 100 Patienten zeigt, dass vor allem die Patienten, für die diese praktischen Aspekte das wichtigste Behandlungsziel sind, eine Depot-Therapie und die damit verbundenen Vorteile bevorzugen [6]. Den Patienten sollten immer alle Therapiewege mit ihren individuellen Vorteilen aufgezeigt werden. Studien zeigen jedoch, dass viele Patienten nicht ausreichend in die Wahl der Therapieform eingebunden und hinsichtlich einer Depot-Behandlung nicht ausreichend aufgeklärt werden [7].

DGPPN-Kongres 2018

Forschung und digitale Welt in der Psychiatrie:
Mögliches und Unmögliches – wo führt der Weg hin?

Berlin (29. November 2018) - Vielversprechende Forschungsergebnisse und neueste Verfahren zur Entschlüsselung psychischer Erkrankungen stehen auch in diesem Jahr im Zentrum des DGPPN Kongresses. Führende Wissenschaftler treffen sich in diesen Tagen in Berlin, um die Zukunft der Psychiatrieforschung zu diskutieren. Dabei dreht sich alles um faszinierende Bildgebungs- und Big-Data-Verfahren, die den Effekten neurologischer Mechanismen im Gehirn immer näherkommen. Um sie sinnvoll nutzen und weiterentwickeln zu können, ist eine leistungsfähige, nachhaltig gesicherte Psychiatrieforschung notwendig – aber auch die Frage, wo wissenschaftlicher Fortschritt an ethische Grenzen stößt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss

Nutzen und medizinische Notwendigkeit der systemischen Therapie als Psychotherapieverfahren anerkannt

Berlin (22. November 2018) – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am Donnerstag in Berlin den Nutzen und die medizinische Notwendigkeit der systemischen Therapie bei Erwachsenen als Psychotherapieverfahren anerkannt. Nach der somit abgeschlossenen Nutzenbewertung wird in einem weiteren Schritt die Psychotherapie-Richtlinie des G-BA angepasst.

Gezieltere Behandlung von Schizophrenie

Wie LSD das Gehirn beeinflusst

Zürich, Schweiz (30. Oktober 2018) - LSD verändert die Kommunikationsmuster zwischen den Hirnregionen. Dies zeigt eine neue Studie von Forschenden der Universitäten Zürich und Yale. Sie liefert auch Hinweise darauf, wie psychische Störungen sich entwickeln und wie sie behandelt werden könnten.

Repräsentative Umfrage DeBeNa-Monitor deckt Widersprüche auf:

Hochgeschätzt, wenig verordnet: Johanniskraut in der Depressionsbehandlung

Frankfurt am Main (26. September 2018) – In der Depressionstherapie gibt es Widersprüche in der Behandlung von Depressionen und Missverständnisse in der Arzt-Patienten-Kommunikation. Dies offenbart der aktuelle „DeBeNa-Monitor – Depressionsbehandlung in Deutschland 2018“. Laut der repräsentativen Umfrage im Auftrag von Bayer werden pflanzliche Wirkstoffe wie hochdosiertes Johanniskraut trotz Leitlinienempfehlung und studiengeprüfter Wirksamkeit selten verordnet. Gleichzeitig überschätzen viele Ärzte die Präferenz ihrer Patienten für chemische Antidepressiva. Tatsächlich wünschen sich mehr Menschen Zugang zu einer pflanzlichen Depressionsbehandlung.

Wann sollte ein suizidgefährdeter Patient stationär aufgenommen und versorgt werden?

Lässt sich ein Suizid vorhersagen?

Leipzig (21. September 2018) - Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung entwickeln im Laufe ihres Lebens Suizidgedanken. Eine genaue Vorhersage, wer diesen Gedanken auch Taten folgen lässt, ist der aktuellen Forschung zufolge nicht sicher möglich. Dennoch brauchen Ärzte und Therapeuten Anhaltspunkte, um das Risiko suizidalen Verhaltens abschätzen zu können. Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin untersuchen eine Theorie zur Vorhersage von suizidalen Gedanken und Handlungen. Die Ergebnisse stellen sie auf dem gemeinsamen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie vor.

Grundlage für Einführung der Reihenuntersuchung fehlt

Screening auf Depression: Nutzen bleibt fraglich

Köln (17. September 2018) - Bei knapp 12 % aller Erwachsenen in Deutschland wird im Laufe ihres Lebens eine Depression diagnostiziert. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat untersucht, ob es für Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Screenings Vor- oder Nachteile haben könnte, wenn beispielsweise Hausärztinnen und Hausärzte regelhaft einen Test anhand eines Fragebogens anbieten, der Hinweise auf eine Depression geben kann. Ein Vorteil könnte darin bestehen, dass die Diagnose frühzeitig gestellt und eine Therapie begonnen werden kann. Der jetzt publizierte Abschlussbericht bestätigt die vorläufigen Ergebnisse: Nutzen und Schaden sind weiterhin unklar. Somit fehlt weiterhin die wissenschaftliche Grundlage, um eine solche Reihenuntersuchung einzuführen.

Zentraler Bestandteil der Behandlung akuter Psychosen

Neuroleptika: Großer Nutzen, kalkulierbare Risiken

München (30. Mai 2017) - Wie hoch das Gefahrenpotenzial von Neuroleptika gegen Psychosen ist, darüber wurde zuletzt intensiv diskutiert. Unter anderem waren auch Psychiater der LMU-Medizin beteiligt und mahnen eine sachliche und differenzierte Diskussion an und haben den wissenschaftlichen Stand zum Thema mit einem internationalen Expertenteam jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „American Journal of Psychiatry“ zusammengefasst. Die Publikation ist unter dem Titel „Contrary to Popular Belief, Antipsychotics Don’t Cause Long-Term Damage“ erschienen.

DMP Depressionen

Leitlinien decken alle wichtigen Versorgungsaspekte ab

Köln (30. Mai 2017) - Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat am 30. Mai 2017 die Ergebnisse einer Recherche evidenzbasierter Leitlinien zur Behandlung von Menschen mit Depression vorgelegt. Demnach decken die Empfehlungen in den Leitlinien alle wichtigen Versorgungsaspekte ab, und in den meisten Fällen stimmen sie inhaltlich überein. Die Leitlinien geben allerdings selten Hinweise, welche Interventionen gegenüber anderen zu bevorzugen sind. Ein erheblicher Teil der Leitlinien stammt aus Großbritannien und den USA. Ihre Empfehlungen sind deshalb nicht umstandslos auf die deutsche Versorgung übertragbar.

Die Symptome von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung sind für Außenstehende befremdlich

Wenn fremde Stimmen das Kommando übernehmen

Frankfurt am Main (9. Januar 2017) - Die neuere psychiatrische Forschung zeigt: Schizophrenie beruht auf gestörter Informationsverarbeitung im Gehirn. Das macht die Krankheit für Außenstehende weniger befremdlich und hilft Betroffenen in der Therapie. Sie hören Stimmen, vermuten Botschaften in bedeutungslosen Ereignissen oder fühlen sich ferngesteuert: Die Symptome von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung sind für Außenstehende befremdlich. Wie der Psychiater Dr. Robert Bittner in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität erklärt, beruht die Verwechslung von „eigen“ und „fremd“ auf verschiedenen Störungen der Informationsverarbeitung im Gehirn.

Doppelpack

Depressionen bei Jugendlichen gehen auf den Magen, Ängste unter die Haut

Basel, Schweiz (24. November 2016) - Psychische Störungen und körperliche Erkrankungen kommen häufig im Doppelpack vor. Psychologen der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum haben dabei bei Jugendlichen erstmals zeitliche Muster identifiziert: Arthritis und Erkrankungen des Verdauungssystems treten häufiger nach Depressionen auf, und Angststörungen ziehen Hautkrankheiten nach sich.