Altenpflegepersonal fühlt sich im Stich gelassen

Den Versprechen müssen jetzt Taten folgen

Wiehl (29. April 2020) -- Angesichts der Corona-Pandemie brechen schwerwiegende Folgen durch jahrelang versäumte notwendige Reformen in der Altenpflege deutlich hervor. Obwohl seit Jahren Probleme in der Altenpflege wie Personalmangel, schwierige Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne bekannt sind. Seit langem kämpfen Pflegende und Verbände für die Verbesserung der Bedingungen.


Passiert ist wenig. Versprechen zur Verbesserung seitens der Politik wurden und werden nicht gehalten. Deshalb fordert Bodo Keißner-Hesse, stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Berufsverbands für Altenpflege e.V. (DBVA): "Wenn jetzt nichts getan wird, verlieren die Pflegekräfte endgültig das Vertrauen in die Politik. Den Versprechen müssen endlich Taten folgen." Gleichzeitig mahnt Keißner-Hesse eindringlich, die Menschenrechte sowohl Pflegebedürftiger als auch der Menschen, die sie betreuen und pflegen, zu wahren.

Die im Zuge der Corona-Pandemie verordneten Isolierungsmaßnahmen und Besuchsverbote verursachen in der Pflege und Begleitung alter, behinderter, schwerstkranker und sterbender Menschen erhebliche Konflikte und große persönliche Not.

Wenn pflegebedürftige Menschen oder Menschen mit Behinderung durch einen "Aufnahmestopp" nicht mehr durch ambulante oder stationäre Einrichtungen betreut werden können, gibt es eine staatliche Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass menschenwürdige Lösungen gefunden werden.

Umfassende Abstrich-Testungen auf Corona-Viren von pflegebedürftigen Menschen und Pflegenden finden - trotz inzwischen ausreichender Test-Kapazitäten - in der Altenpflege nicht statt. Dafür, dass die Zahlen für Tests auf das Coronavirus in Deutschland sogar rückläufig sind, hat der DBVA kein Verständnis. Laut Robert-Koch-Institut wurden in der letzten Woche 323.449 Menschen auf den Covid-19-Erreger getestet, das sind 85.000 weniger als in der Woche zuvor. Gerade in der Phase von Lockerungen müssen pflegebedürftige Menschen und die Pflegenden getestet werden, um diese besonderen Risikogruppen gezielt zu schützen und Infektionsherde zu verhindern.

Ebenso fehlt es hier weiterhin an Schutzausrüstung für Mitarbeitende in Alten- und Pflegeheimen sowie für Besucher/innen. Wären diese in ausreichendem Maße vorhanden und damit Kontakte möglich, könnte die immense Belastung, die auf Pflege- und Schutzbedürftigen lastet und gravierende Folgen nach sich zieht, zumindest verringert werden. Zudem würde dadurch die Arbeit der Pflegenden, die gleichfalls unter diesen Bedingungen leiden, erheblich erleichtert.

Gerade in der aktuellen Krise, so Keißner-Hesse, dürften kommunale Gremien nicht allein als Aufsichts- und Ordnungsbehörde fungieren. Politisch Verantwortliche müssten als Vertreter und Unterstützer ihrer Bürgerinnen und Bürger auftreten und handeln. Dementsprechend sei es unbedingt notwendig, Erlasse und Verordnungen vor ihrer Veröffentlichung sowohl auf fachliche Umsetzbarkeit als auch auf Wahrung ethischer Prinzipien zu prüfen.

Die aktuelle Realität von Pflegenden sehe ganz anders aus: Politisch Verantwortliche delegierten Entscheidungen und Verantwortung an Nachgeordnete und das Pflegepersonal vor Ort, das dadurch noch stärker unter Druck geriete. Pflegende fühlten sich überfordert, missachtet und im Stich gelassen.

Desweiteren erklärt Keißner-Hesse, dürften die Rechte von Pflegeempfängern keine Ausnahme darstellen. Der Wohnort Pflege- und Schutzbedürftiger müsse als Lebensraum nach dem Selbstbestimmungsrecht respektiert werden und organisierbar sein - auch in Zeiten der Corona-Pandemie.


Der Deutsche Berufsverband für Altenpflege (DBVA) ist der einzige Berufsverband, der sich seit vierzig Jahren speziell für die Belange und die beruflichen Interessen der Altenpflege einsetzt.

  • Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage www.dbva.de




Quelle: Deutscher Berufsverband für Altenpflege e.V. (DBVA), 29.04.2020 (tB).