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Studie im „Journal of Diabetes Science and Technology“

Falsche Insulindosis durch falsch codierte Blutzuckermessgeräte möglich

 

Richtiges Codieren hilft Therapiefehler zu vermeiden


Leverkusen (1. März 2007) – Wenn Diabetiker ihre Insulindosis auf der Basis der Werte falsch codierter Blutzuckermessgeräte festlegen, können erhebliche Fehler entstehen, die zu Gesundheitskomplikationen führen können. Dies zeigt eine Studie, die gerade im Journal of Diabetes Science and Technology ( www.journalofdst.org ) veröffentlicht wurde. Danach arbeiten Blutzuckermessgeräte mit No-Coding-Technologie die Blutzuckerwerte auch besser als Geräte, die korrekt manuell codiert wurden.Falsche Insulindosis durch falsch codierte Blutzuckermessgeraete.jpg

 
Weltweit leben 246 Million Menschen mit Diabetes (1), in Deutschland gibt es schätzungsweise mindestens 4 Millionen Diabetiker (2), rund zehn Prozent davon benötigen Insulin. Diese insulinpflichtigen Diabetiker müssen ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig messen, um ihre Ernährung, ihre körperlichen Aktivitäten und ihre Insulindosis anzupassen.

In dieser Studie zeigt sich für einige falsch codierte Messgeräte eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass zwei Einheiten Insulin zuviel oder zuwenig gespritzt werden, verglichen mit einer Wahrscheinlichkeit von 7,1 Prozent für manuell korrekt codierte Geräte. Die Wahrscheinlichkeit, dass drei Einheiten zuviel oder zuwenig verabreicht werden, liegt bei 22,3 Prozent für falsch codierte, aber nur bei 0,49 Prozent für korrekt manuell codierte Geräte. Für Geräte, die nicht manuell codiert werden müssen, liegt die Wahrscheinlichkeit, eine Insulin-Einheit zuviel oder zuwenig zu spritzen. bei 35,4 Prozent und die Wahrscheinlichkeit, zwei Einheiten zuviel oder zuwenig zu spritzen, bei 1,4 Prozent. Eine Wahrscheinlichkeit, mehr als zwei Einheiten zuviel oder zuwenig zu verabreichen, ergab sich nicht für Geräte, die nicht manuell codiert werden müssen.

Codieren nennt man den Vorgang, mit dem das Blutzuckermessgerät auf eine neue Packung von Teststreifen geeicht wird. Dies geschieht entweder, indem man einen speziellen Codierungsstreifen einlegt oder eine Code-Nummer eingibt. Wenn dieser Bedienungsschritt nicht durchgeführt wird, kann das Messgerät falsche Werte anzeigen, die wiederum zu einer falschen Entscheidung über die Höhe der Insulindosis führen können. Die Folge kann eine vergleichsweise harmlose Unterdosierung sein, eine Überdosierung kann jedoch zu einer gefährlichen Unterzuckerung mit Verwirrtheit und Bewusstseinsverlust führen und unbehandelt zum Koma oder sogar zum Tod. Chronische Unterdosierung kann Spätfolgen wie Nierenerkrankungen, Nervenschädigungen zum Beispiel des Sehnervs und Herzkrankheit fördern.

„Wir haben festgestellt, dass viele Diabetiker nicht verstehen, was Codieren heißt und wie wichtig dies ist. Sie benutzen manchmal Teststreifen mit abgelaufenem Verfallsdatum und codieren ihre Blutzuckermessgeräte nicht richtig“, sagte Dr. Steven Edelman, ein Autor der Studie, Professor am Institut für Endokrinologie und Metabolismus der Universität von Kalifornien in San Diego, Professor am Medizinischen Zentrum für Veteranen und Gründer der Kampagne „Übernimmt die Kontrolle über deinen Diabetes“ („Taking control of your diabetes“,
www.tcoyd.org ).

„Eine andere Studie, an der ich gearbeitet habe (3), zeigt, dass etwas 16 Prozent, das heißt einer von sechs Diabetikern, sein manuell zu codierendes Gerät falsch handhabt“, sagte Dr. Charles H. Raine, III, einer der Verfasser der Studie und Direktor am Zentrum für Diabeteskontrolle und Endokrinologie in Orangeburg, South Carolina. „Was es bedeutet, sich auf ein nicht richtig codiertes Gerät zu verlassen, muss jeder Diabetiker wissen, besonders wenn er Insulin spritzt.“

Um Fehler bei der Insulindosierung zu vermeiden, empfehlen die Autoren der Studie, dass Diabetiker sorgfältig angeleitet werden, wie sie ihr Blutzuckermessgerät korrekt bedienen, oder dass sie ein Gerät verwenden, das sich automatisch codiert.

Das Studien-Design
Die Studie wurde mit 116 Patienten an drei klinischen Zentren durchgeführt. Die Blutzuckerwerte der Patienten lag bei 52-498 mg/dl. Nüchtern wurden die Patienten einem Glucosetoleranztest unterzogen. Zu Beginn sowie nach 60 und 120 Minuten wurde Blut aus der Fingerbeere mit fünf verschiedenen gängigen Blutzuckermessgeräten analysiert, zwei davon mit No-Coding-Technologie.

Einige der manuell zu codierenden Geräte waren absichtlich falsch codiert. Die Geräte mit No-Coding-Technologie waren aufgrund ihrer Konzeption immer korrekt codiert. Alle ermittelten Werte wurden mit Werten verglichen, die auf einem Labordiagnosesystem gemessen worden waren, um zu entscheiden, wie genau oder ungenau die Geräte arbeiten.

Die Glucosewerte einiger der falsch codierten Geräte zeigten durchschnittliche Abweichungen zwischen plus 29 und minus 37 Prozent. Basierend auf diesen Blutzuckerwerten wurden drei Methoden angewandt, die Insulindosis zu bestimmen. Mit den Daten der klinischen Studie wurde die Monte-Carlo-Simulation (eine statistische Methode zur Auswertung von Zufallsexperimenten) durchgeführt, um ideale und simulierte Glucosewerte zu generieren und die daraus folgende Wahrscheinlichkeit für Fehler bei der Insulindosierung, basierend auf normaler und experimenteller Verteilungsannahmen. Diese Simulation basiert auf verschiedenen Annahmen wie zum Beispiel, dass eine Insulineinheit 50 mg/dl Blutzucker abdeckt.(4) Nach diesen Rechnungen wurde die Wahrscheinlichkeit für fehlerhafte Insulindosen für die drei Typen von Blutzuckermessgeräten (falsch codierte, manuell korrekt codierte und solche, die nicht codiert werden müssen) ermittelt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Insulineinheit zuviel oder zuwenig gespritzt wird, lag bei 44,6 Prozent im Vergleich zu 49,6 Prozent für falsch codierte Geräte. Die Wahrscheinlichkeit, dass vier Insulineinheiten zuviel oder zuwenig verabreicht werden, lag bei 1,4 Prozent und für fünf Einheiten zuviel oder zuwenig bei 0,004 Prozent. Bei manuell korrekt codierten Geräten gab es keine Wahrscheinlichkeit, dass vier oder fünf Einheiten fälschlicherweise verabreicht würden. Für Geräte, die nicht codiert werden müssen, wurde keine Wahrscheinlichkeit für eine Falschdosierung von mehr als zwei Einheiten ermittelt. Die Ergebnisse aus der empirischen Verteilung zeigen vergleichbare Trends.

Diabetes Care
Die Division Diabetes Care von Bayer HealthCare zählt weltweit zu den Marktführern bei Blutzuckermessgeräten. Seit der Einführung der Clinitest®-Testtabletten 1941 hat Bayer immer wieder Produktinnovationen für Diabetiker vorangetrieben. 1969 brachte Bayer das erste transportablen Blutzuckermessgerät und die entsprechenden Teststreifen auf den Markt. Die jüngsten Produkteinführungen sind Blutzuckermessgeräte wie Breeze® und Contour®, die nicht mehr codiert werden müssen.

Literatur
(1) International Diabetes Federation (
www.idf.org )
(2) Robert-Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Gesundheit in Deutschland, Juli 2006
(3) Raine, C.H. Endo Prac 9: pg 137, 2003
(4) Kleine Abweichungen liegen in der Natur der Monte-Carlo-Simulation.

 


Quelle: European Media Workshop on Diabetes: „Making a difference to the lives of people with diabetes ... daily”, Basel, April 20,2007 (Bayer HealthCare) (tB).