Home Pharmakologie Pharma aktuell Adult Onset Still’s Disease (AOSD) – Neue Therapieperspektiven mit Canakinumab (Ilaris®)
29 | 03 | 2017
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Neue Therapieperspektiven mit Canakinumab (Ilaris®)

  • Adult Onset Still‘s Disease (AOSD): seltene autoinflammatorische Erkrankung mit zentraler Bedeutung des Botenstoffs Interleukin-1β (IL-1β) in der Pathogenese.1
  • Canakinumab (Ilaris®): Zulassung als erste gezielte Therapie für AOSD-Patienten, die unzureichend auf NSAR und systemische Kortikosteroide ansprechen.1–5

Frankfurt am Main (1. September 2016) – Still’s Disease des Erwachsenen, auch Adult Onset Still’s Disease (AOSD) genannt, tritt mit jährlich nur etwa 1 bis 3 neuen Patienten pro 1 Million Einwohner sehr selten auf.2,7 Dennoch bedeutet die autoinflammatorische Erkrankung eine hohe Belastung für die Betroffenen. Hinter der vielfältigen Symptomatik steckt eine hochgradig gesteigerte Entzündungsreaktion, ausgelöst durch das angeborene Immunsystem. Eine Schlüssel­rolle kommt dabei dem Botenstoff Interleukin-1beta (IL-1β) zu.1 Für Patienten, bei denen die bisherigen Standardtherapien nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und Kortikosteroide nicht ausreichend wirksam sind, gab es bisher keine zugelassene Therapie.1,2,3 Diese Versorgungslücke schloss die Europäische Kommission nun mit der Zulassungs­erweiterung für Canakinumab (Ilaris®) für Adult Onset Still’s Disease (AOSD).4,5 „Mit Ilaris® steht nun endlich die erste zielgerichtete und nebenwirkungsarme AOSD-Therapie zur Verfügung“, erklärte PD Dr. Eugen Feist, Charité Berlin.

Die meisten Patienten sind zwischen 16 und 35 Jahren alt, wenn sich AOSD bei ihnen erstmals bemerkbar macht.2,3 Viele Patienten zeigen intermittierendes Fieber mit ein oder zwei Fieber­spitzen täglich, Gelenkschmerzen und -entzündungen, flüchtige lachsfarbene Hautausschläge, manchmal auch Lymphknotenschwellungen, Leber- und Milzvergrößerung, Perikarditis, Pleuritis und andere Symptome.2,6 Auf lange Sicht drohen schwere Gelenkschäden, gelegentlich auch lebensbedrohliche Komplikationen wie ein sepsisähnliches Makrophagenaktivierungssyndrom oder eine Amyloidose. „Der Verlauf der Erkrankung lässt sich im Einzelfall nicht vorhersagen. Manche Patienten haben nur eine Episode, gefolgt von kompletter Remission, andere leiden immer wieder unter Krankheitsschüben, wieder andere haben chronisch Gelenkprobleme“3, erläuterte Feist. Die Ursache ist nicht bekannt; möglicherweise triggert eine Infektion den Erkrankungs­beginn.


Zulassung für Canakinumab bei AOSD: Erste gezielt wirksame Therapie

Die Standardtherapie bei aktiver AOSD bestand bislang aus oraler Gabe von Kortiko­steroiden und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR).2 „Damit lässt sich die schwere Entzündung im Körper nur selten unter Kontrolle bringen3“, betonte Feist. Um Kortikosteroide und NSAR einzusparen, kommt auch gern Methotrexat zum Einsatz.1,2 Für Patienten, bei denen NSAR und Kortikosteroide nicht oder nicht ausreichend wirksam sind, gab es bisher keine zugelassene Therapie.1,2,3 Diese Versorgungslücke schloss die Europäische Kommission nun mit der Zulassungserweiterung für Canakinumab (Ilaris®). Der monoklonale Antikörper kann ab sofort für die Behandlung des Still’s Disease einschließlich AOSD und SJIA bei Patienten ab zwei Jahren, die auf bisherige Therapien mit NSAR und systemischen Kortikosteroiden nur unzureichend angesprochen haben, angewendet werden.4 Grundlage war eine Zulassungsempfehlung („positive opinion“) des CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use) der europäischen Arzneimittelagentur EMA vom 23. Juni 2016.5


Botenstoff IL-1β: Schlüsselrolle im Krankheitsgeschehen

Seine Wirksamkeit entfaltet der vollständig humane monoklonale Anti-IL-1β-Antikörper Canakinumab durch die Regulation des IL-1β-Überschusses, der bei Patienten mit auto­inflammatorischen Erkrankungen wie dem Still’s Disease zu einer Entzündungskaskade mit Symptomen in verschiedenen Körpergeweben führt.4 Der Anti-IL-1β-Antikörper Canakinumab bindet selektiv an IL-1β und neutralisiert schnell und anhaltend dessen Signalwirkung, hemmt aber nicht dessen Bildung und Freisetzung. So kann im Falle einer immunologischen Stimulation erneut IL-1β freigesetzt werden. Die besonders lange Halbwertszeit (21–28 Tage) erleichtert die Behandlung für die Patienten. In den meisten Fällen reicht eine Injektion einmal pro Monat.4


Eine Krankheit mit frühem (SJIA) oder späterem (AOSD) Beginn

Für die Therapie des Still’s Disease bei Kindern und Jugendlichen, heute meist als systemische juvenile idiopathische Arthritis (SJIA) bezeichnet, ist Canakinumab bereits seit 2013 zugelassen.4 In zwei Phase-III-Studien sprachen Patienten mit aktiver SJIA und Fieber auf den Anti-IL-1β-Antikörper, der einmal monatlich in einer Dosierung von 4 mg/kg Körpergewicht subkutan injiziert wird, rasch und anhaltend an.7 Die Krankheits­aktivität ging zurück, das Risiko erneuter Schübe sank deutlich. „Wichtig ist auch, dass durch die Anti-IL-1-Therapie viele Patienten weniger oder gar keine Kortikosteroide mehr benötigten“, hob Feist hervor.

Die aktuelle Zulassungserweiterung für AOSD trägt der Tatsache Rechnung, dass es sich bei SJIA und AOSD offensichtlich um ein und dieselbe Erkrankung in unterschied­lichen Lebens­phasen handelt1. Dafür sprechen die vielen Gemeinsamkeiten im genetischen Profil, im klinischen Erscheinungsbild, im Krankheitsverlauf und im Zytokin­muster.8–10 Auch das vergleichbare Ansprechen auf Kortikosteroide und Inhibitoren von IL-1, IL-6 und TNFα weist in diese Richtung.10 „Diese Ergebnisse erhärten das Konzept eines Krankheitskontinuums mit frühem (SJIA) oder späterem (AOSD) Erkrankungs­beginn“, resümierte Feist.

„Auf eine zugelassene, gezielte Therapieoption bei AOSD haben wir ganz dringend gewartet. Dank der Zulassungserweiterung des IL-1β-Inhibitors Canakinumab erhalten jetzt auch erwachsene Patienten, die an Still’s Disease erkranken, die Chance auf eine deutliche Verbesserung ihrer Erkrankung“, fasst Feist zusammen.

Ilaris - Wirkung. Copyright: Novartis


Über Ilaris (Canakinumab)

Canakinumab (Ilaris) ist ein vollständig humaner, monoklonaler Antikörper, der zur Behandlung autoinflammatorischer Erkrankungen entwickelt wurde. Canakinumab bewirkt eine schnelle, anhaltende und selektive Blockade des Botenstoffs Interleukin-1β (IL-1β).4

Eine Überproduktion von IL-1β führt dazu, dass sich der Körper selbst angreift. Die Folgen: Entzündungen, Gewebeschäden und -zerstörung sowie weitere Symptome.

Der Antikörper bindet selektiv lang anhaltend an IL-1β, dessen Signalwirkung dadurch neutralisiert wird. Seine Bildung und Freisetzung werden jedoch nicht gehemmt, sodass im Falle einer immunologischen Stimulation erneut IL-1β freigesetzt werden kann. Dieser Wirk­mechanismus reduziert die Entzündungssymptome und ermöglicht einen langanhaltenden klinischen Effekt. Canakinumab zeigt keine Kreuzaktivität mit IL-1α oder mit IL-1Ra und hat eine besonders lange Halbwertszeit (21–28 Tage).4

Seit 2009 ist Ilaris für die Behandlung der CAP-Syndrome zugelassen. Im Jahr 2013 folgten die Zulassungen für eine spezielle Form der Gichtarthritis sowie für SJIA-Patienten, bei denen NSAR und Kortikosteroide nicht anschlagen.4


Über Novartis

Novartis bietet innovative medizinische Lösungen an, um damit auf die sich verändernden Bedürfnisse von Patienten und Gesellschaften einzugehen. Novartis, mit Hauptsitz in Basel (Schweiz), verfügt über ein diversifiziertes Portfolio, um diese Bedürfnisse so gut wie möglich zu erfüllen: mit innovativen Arznei­mitteln, Produkten für die Augenheilkunde und kostengünstigen generischen Medikamenten. Novartis ist das einzige Unternehmen mit weltweit führenden Positionen in diesen Bereichen. Im Jahr 2015 erzielte der Konzern einen Nettoumsatz von USD 49,4 Milliarden und wies Kosten für Forschung und Ent­wicklung in Höhe von rund USD 8,9 Milliarden (USD 8,7 Milliarden unter Ausschluss von Wert­min­derungen und Abschreibungen) aus. Die Novartis Konzerngesellschaften beschäftigen rund 118 000 Mit­arbeitende (Vollzeitstellen­äquivalente). Die Produkte von Novartis sind in über 180 Ländern weltweit erhältlich. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.novartis.com.


Referenzen

  1. Ja milloux Y et al. Treatment of adult-onset Still’s disease: a review. Ther Clin Risk Manag 2015; 11: 3–43
  2. Baerlecken NT, Schmidt RE. Adulter Morbus Still, Fieber, Diagnose und Therapie. Z Rheumatol 2012; 71: 174–180
  3. Efthimiou P et al. Diagnosis and Management of adult onset Still’s disease. Ann Rheum Dis 2006; 65: 564–572
  4. Fachinformation Ilaris® (Stand August 2016)
  5. European Medicines Agency. Summary of opinion Ilaris, 23 June 2016, http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/medicines/human/medicines/001109/smops/Positive/human_smop_000994.jsp&mid=WC0b01ac058001d127 . Last accessed: 24/07/2016
  6. Evensen KJ, Nossent HC. Epidemiology and outcome of adult-onset Still’s disease in northern Norway. Scand J Rheumatol 2006; 35: 48–57
  7. Ruperto N et al. Two randomized trials of canakinumab in systemic juvenile idiopathic arthritis. N Engl J Med 2012; 367: 2396–2406
  8. Pay S et al. A multicenter study of patients with adult-onset Still’s disease compared with systemic juvenile idiopathic arthritis. Clin Rheumatol 2006; 25: 639–644
  9. Nirmala N et al. Gene-expression analysis of adult-onset Still’s disease and systemic juvenile idiopathic arthritis is consistent with a continuum of a single disease entity. Pediatr Rheumatol 2015; 13: 50
  10. Jamilloux Y et al. Pathogenesis of adult-onset Still’s disease: new insights form the juvenile counterpart. Immunol Res 2015; 61: 53–62

Quelle: Novartis, 01.09.2016 (tB).

 
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