Home Onkologie Abirateronacetat: Wirksamkeit und Verträglichkeit in der Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen mCRPC
19 | 04 | 2018
Medizin
- Anzeigen -

Awards
Veranstaltungen
Login
DocCheck





DocCheck Account beantragen »
PDF Drucken E-Mail

Abirateronacetat

Wirksamkeit und Verträglichkeit in der Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen mCRPC

Neuss (26. September 2017 ) - Die Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen, metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) erfolgt heute vor allem mit Abirateronacetat (Zytiga®) der Janssen-Cilag GmbH oder Enzalutamid. Auf einer Pressekonferenz von Janssen anlässlich des 69. DGU-Kongresses in Dresden standen aktuelle Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der beiden Wirkstoffe und Erfahrungen aus dem Alltag im Mittelpunkt.


Bei dem Patienten M. V. wird 2013 im Alter von 68 Jahren ein Prostatakarzinom im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Nach der radikalen Prostatektomie, bei der sich positive Lymphknoten finden, fällt sein PSA-Wert nur leicht ab von 133 ng/ml präoperativ auf einen Tiefstwert von 67 ng/ml rund drei Wochen später. Daher beginnt er eine antihormonelle Therapie mit einem LHRH-Antagonisten. Hierunter sinkt der PSA-Wert sechs Monate nach Therapiebeginn auf einen Tiefstwert von 0,85 ng/ml. Über ein Jahr später, im November 2015, ist der PSA-Wert wieder auf 3,7 ng/ml gestiegen. Im Februar 2016 liegt er bereits bei 17,5 ng/ml, während zugleich der Testosteron-Wert (0,25 ng/ml) unverändert unterhalb der Kastrationsgrenze bleibt. Der Patient hat leichte Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, die PSMA-Positronen-Emissions-Tomographie zeigt Metastasen in diesem Bereich.

Gemäß aktueller EAU-Leitlinie hat der Patient demnach ein metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom (mCRPC) entwickelt. Im nicht oder mild symptomatischen Stadium, in dem er sich befindet, werden in der Regel Abirateronacetat plus Prednison/Prednisolon (Abirateron/P) oder Enzalutamid empfohlen.1 „Es gab bislang keine Head-to-Head-Studien, doch ein Vergleich früherer Studien und unsere Erfahrungen sprechen für eine ähnliche Wirksamkeit von Abirateronacetat und Enzalutamid in dieser Indiaktion“, betonte Prof. Dr. Kurt Miller, Berlin.


Vergleichbare Wirksamkeit

Einen entsprechenden Hinweis liefert auch eine aktuelle prospektive Phase-II-Studie, die erstmals die beiden antihormonellen Wirkstoffe direkt miteinander vergleicht. In der Studie hatten 202 mCRPC-Patienten in der Erstlinientherapie randomisiert Abirateron/P oder Enzalutamid erhalten.2

Nach einer Interimsanalyse von sekundären Endpunkten dieser Studie, die beim ASCO Annual Meeting 2017 präsentiert wurde, stellte sich nach zwölf Wochen unter Abirateron/P im Vergleich zu Enzalutamid zwar bei weniger Patienten ein Abfall des PSA-Wertes um mindestens 50% ein (55% vs. 77%; p=0,0012), doch bei der medianen Zeit bis zur bestätigten PSA-Progression zeigte sich kein signifikanter Unterschied (10,2 vs. 14,9 Monate; HR 0,83; p=0,372).2 Auch hinsichtlich der medianen Zeit bis zur Progression (bestätigte PSA-, radiologische oder klinische Progression bzw. erkrankungsbedingter Tod) unterschieden sich die beiden Gruppen nicht signifikant (7,4 vs. 7,4 Monate; HR 0,82; p=0,266).

„Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, mit der Therapie zu beginnen, nach der Folgetherapien wirksam bleiben, um über mehrere Therapielinien hinweg eine möglichst gute Wirksamkeit zu erzielen. Daher erwarten wir mit großem Interesse die nächste Auswertung dieser Studie, die ja darauf angelegt ist, den Therapiestart mit Abirateronacetat, gefolgt von Enzalutamid, und umgekehrt zu vergleichen. Würden sich hier Unterschiede zeigen, würde dies unsere Wahl der Erstlinientherapie des mCRPC sicher mitbestimmen“, fasste Miller zusammen.


Unterschiede in der Verträglichkeit

Für eine weitere Analyse dieser Studie ermittelten die Autoren zu Studienbeginn und nach zwölf sowie z.T. auch nach 24 Wochen als sekundäre Endpunkte anhand von etablierten Fragebögen die Lebensqualität (Functional Assessment of Cancer Therapy-Prostate: FACT-P), die Kognition (Montreal - Cognitive Assessment: MoCA) und eine Depression (Patient Health Questionnaire: PHQ-9, Depressionsscore).3

Die medianen Baseline-Werte der drei Scores waren vergleichbar zwischen Abirateron/P und Enzalutamid.3 Im weiteren Verlauf zeigten sich jedoch Unterschiede. So verbesserten sich innerhalb von zwölf Wochen der mediane FACT-P-Gesamtscore und somit die Lebensqualität im Abirateron/P-Arm (von 115 auf 129, n=79), während er sich im Enzalutamid-Arm nicht änderte (konstant um 114 , n=82). Der Unterschied zwischen Abirateron/P und Enzalutamid war signifikant (p=0,01). Zugleich trat unter Enzalutamid im Vergleich zu Abirateron/P innerhalb von zwölf Wochen bei mehr Patienten eine signifikante Verschlechterung der Depressivität ein (23% vs. 6%, p=0,003). Eine Verschlechterung der Kognition war zu diesem Zeitpunkt im Trend häufiger im Enzalutamid-Arm zu beobachten (13% vs. 5%, p=0,06).

Hinweise auf Unterschiede in der Verträglichkeit der beiden Wirkstoffe hatte u.a. bereits eine Studie beim ASCO Annual Meeting 2016 geliefert. Hier zeigte eine retrospektive Analyse der Daten von 3.003 mCRPC-Patienten, dass zwölf Monate nach Therapiebeginn unter Abirateron/P (n=2.196) weniger Patienten ZNS-Nebenwirkungen sowie Fatigue entwickelt hatten als unter Enzalutamid (n=807).4 Der Anteil mit ZNS-Nebenwirkungen lag zu diesem Zeitpunkt bei 30,3% vs. 37,5% (p=0,005), der Anteil mit Fatigue betrug 25,0% vs. 28,6% (p=0,013).

„Da wir bislang keine Hinweise auf mögliche Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen Abirateronacetat und Enzalutamid in der Erstlinientherapie des mCRPC haben, spielen bei der Wahl zwischen den beiden auch andere Faktoren wie die Verträglichkeit eine Rolle. Daher können Studien, die für Unterschiede in der Verträglichkeit sprechen, einen Einfluss auf unsere Therapieentscheidungen haben“, hob Prof. Dr. David Pfister, Köln, hervor.


Einsatz bei kardiovaskulärer Komorbidität

Eine weitere Studie vom ASCO Annual Meeting 2016 bestätigte bei kardiovaskulär vorbelasteten Patienten die Anwendbarkeit von Abirateronacetat*, bei dem eine erhöhte Rate an mineralkortikoiden Nebenwirkungen wie Hypertonie, Flüssigkeitsretention oder Hypokaliämie möglich ist.5,6 In der prospektiven Analyse der Daten von 87 mCRPC-Patienten, die kardiovaskuläre Risikofaktoren oder kardiovaskuläre Komorbiditäten sowie im Median über neun Monate Abirateronacetat erhalten hatten, kamen die Autoren zu dem Schluss, dass der Androgenbiosynthese-Hemmer auch in diesen Patientengruppen mit guter Sicherheit und Verträglichkeit angewendet werden kann.5 „Die Ergebnisse spiegeln unsere Erfahrungen aus dem Alltag: Patienten mit kardiovaskulären Komorbiditäten, die gut eingestellt sind, lassen sich im Alltag – mit engmaschigereren Kontrollen – in der Regel gut mit Abirateronacetat behandeln“, fasste Pfister zusammen.

Ähliches zeigte die Auswertung eines prospektiven Prostatakarzinom-Registers, die beim ASCO Annual Meeting 2017 vorgestellt wurde.7 Sie basiert auf den Daten von 1.906 mCRPC-Patienten unter Alltagsbedingungen: 16,6% hatten eine Herzerkrankung, 9,7% eine Hypertonie und 17,7% einen Diabetes. In der Gesamtgruppe erhielten 35,8% der Patienten Abirateron/P, 26,9% Docetaxel und 13,6% Enzalutamid. Die Verteilung war in den drei genannten Subgruppen mit Begleiterkrankungen jeweils ähnlich wie in der Gesamtgruppe.


Anmerkungen

  • *Grundsätzlich soll Abirateron/P bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen in der Anamnese mit Vorsicht und unter Beachtung der Hinweise in der Fachinformation angewendet werden.
  • Quelle: Fachpressekonferenz „Zytiga® in der Erstlinientherapie des mCRPC – aktuelle Daten und Erfahrungen aus dem Behandlungsalltag“, anlässlich des des 69. DGU-Kongresses 2017, Dresden, 21. September 2017 (Veranstalter: Janssen-Cilag GmbH)


Referenzen

  1. Mottet N et al. Guidelines on Prostate Cancer. ©European Association of Urology 2017: https://uroweb.org/guideline/prostate-cancer/ - letzter Abruf: 18.7.2017
  2. Chi KN, et al. A randomized phase II cross-over study of abiraterone + prednisone (ABI) vs enzalutamide (ENZ) for patients (pts) with metastatic, castration-resistant prostate cancer (mCRPC). J Clin Oncol 35, 2017 (suppl; abstr 5002) & oral presentation
  3. Khalaf D, et al. Assessment of quality of life (QOL), cognitive function and depression in a randomized phase II study of abiraterone acetate (ABI) plus prednisone (P) vs enzalutamide (ENZA) for metastatic castrate-resistant prostate cancer (mCRPC). J Clin Oncol 35, 2017 (suppl; abstr 5036) & poster
  4. Pilon D, et al. Assessment of central nervous system (CNS) and dose reduction events in patients treated with abiraterone acetate plus prednisone (AA+P) or enzalutamide (ENZ). J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 5078) & poster
  5. Prati V et al. Prospective evaluation of the cardiovascular safety profile of abiraterone acetate (AA) in mCRPC patients (pts). J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr e16534)
  6. Fachinformationen Zytiga®, Stand November 2016
  7. Lumen N, et al. Treatment outcomes in men with mCRPC and CV disorders or diabetes: The Prostate Cancer Registry. J Clin Oncol 35, 2017 (suppl; abstr e16537)

Quelle: Janssen-Cilag, 26.09.2017 (tB).

 
Anzeigen

Medical News
Schmerz - PainCare
Wundversorgung
Diabetes
Ernährung
Onkologie
Multiple Sklerose
Parkinson