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Interferon beta-1b bei der Multiplen Sklerose

Mit Therapievereinfachungen und guter Verträglichkeit die Adhärenz der Patienten stärken

 

Hamburg/Leverkusen (26. September 2012) – Eine der großen Herausforderungen bei der Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) ist nicht selten deren mangelnde Therapietreue. So brechen nach ungefähr 2 Jahren Behandlung bis zu 48% der MS-Patienten die Therapie ab.1 Häufige Gründe für einen Therapieabbruch bei der MS sind ganz allgemein eine Behinderungsprogression und eine mangelnde Wirksamkeit sowie Nebenwirkungen der Therapie.1,2,3,4,5,6 Nehmen Patienten dagegen an einem Nurse-Programm teil, zeigt sich eine deutlich größere Therapieadhärenz: 88 Prozent der Patienten im „BETA Nurse Program“ aus den USA behielten auch 13 Monate nach Beginn ihre Therapie bei.7

 

„Vor diesem Hintergrund sind alle Maßnahmen sinnvoll, die die Adhärenz des Patienten – also die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Arzt gesetzten Therapieziele – fördern“, betonte Professor Dr. Volker Limmroth, Köln, bei einem von Bayer HealthCare initiierten Pressegespräch anlässlich des 85. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Hamburg.

 

Fördern lässt sich die Compliance nach seinen Worten durch eine gut wirksame und zugleich gut verträgliche Therapie und auch durch die Patientenführung, die den Erwar­tungen der Patienten Rechnung tragen muss. Dabei ist auch das geänderte Rollen­verständnis zu berücksichtigen: „Die Patienten wollen heutzutage nicht mehr passiv sein und die Therapieentscheidung ausschließlich dem Arzt überlassen. Sie streben vielmehr eine aktive Rolle an, wollen die geplante Behandlung mit dem Arzt besprechen und in die Behandlungsplanung einbezogen werden“, so Limmroth.8

 

 

Interferon beta-1b: Therapieerfahrungen über weit mehr als 20 Jahre

 

Von entscheidender Bedeutung ist darüber hinaus die Wahl der jeweiligen Behandlungs­option. Gute Erfahrungen liegen mit Interferon beta-1b (Betaferon®) vor, das bereits seit 1993 zur Behandlung der MS zugelassen ist. So bestätigen die 8-Jahresdaten der BENEFIT-Studie die Vorteile einer Frühbehandlung mit Betaferon®. Bei ursprünglich frühem Behandlungsbeginn war bei nur 55% der Patienten die MS manifest gegenüber 66% in der Patientengruppe mit verzögertem Therapiebeginn. Die Zeit bis zum CDMS wurde um durchschnittlich 3,7 Jahre verlängert (50. Perzentile). Es resultierte nach acht Jahren eine geringe Notwendigkeit für eine Eskalationstherapie: Nur bei 6,6 Prozent der Patienten war im gesamten Beobachtungszeitraum eine Therapieeskalation erforder­lich.9,10 Aus der RRMS-Zulassungsstudie11 (Relapsing-Remitting MS) liegen nach Limmroth inzwischen Erfahrungen von mehr als zwei Jahrzehnten vor. In einer 16jährigen Follow up-Studie12 wurde dabei demonstriert, dass Patienten mit langer Betaferon®-Behandlungsdauer im Vergleich zu Patienten mit niedriger Exposition einen Therapie­vorteil haben: Es zeigte sich eine Risikoreduktion um 60 Prozent hinsichtlich des Erreichens von EDSS 6,0 und/oder Konversion zur SPMS sowie Rollstuhlpflichtigkeit.13 Auch die in der 16-jährigen Langzeitbeobachtung gewonnenen Sicherheitsdaten bestätigen das aus anderen Studien bekannte Verträglichkeits- und Sicherheitsprofil von Betaferon®.12 Die Therapie hat zugleich Auswirkungen auf die Sterblichkeit der Patienten, wie Limmroth darlegte: „Die 21-Jahresdaten belegen für Patienten, die früh mit Interferon beta-1b behandelt wurden, eine signifikante Assoziation mit einer verlängerten Lebens­erwartung gegenüber einer Vergleichgruppe, die zunächst Placebo erhielt und erst später auf Betaferon® umgestellt wurde.“14

 

 

Gute Verträglichkeit in Studien dokumentiert

 

Eine Behandlungsdauer über viele Jahre hinweg ist nur bei einer guten Verträglichkeit der jeweiligen Medikation zu erwarten, so dass bereits das Vorliegen der Langzeitdaten laut Limmroth auf eine gute Verträglichkeit hindeutet. Diese dokumentiert auch die BEYOND-Studie, eine Vergleichsstudie der klinischen Wirksamkeit und Verträglichkeit von Interferon beta-1b und Glatirameracetat15, in die 2.447 MS-Patienten eingeschlossen wurden. Im Verlauf der zweijährigen Studiendauer resultierte im Vergleich zum Zeitpunkt vor Therapiebeginn unter beiden Regimen eine signifikante und vergleichbar ausgeprägte Reduktion der Schubrate um knapp 80 Prozent. Wirksamkeitsvorteile zeigten sich jedoch für Interferon beta-1b in Form einer geringeren T2-Läsionslast und einem geringeren Volumen GD-anreichernder Läsionen in der Kernspintomographie (MRT).

 

Auch bei der Verträglichkeit schnitt Interferon beta-1b laut Limmroth besser ab: Bei der Injektion von Interferon beta-1b traten signifikant weniger systemische Nebenwirkungen, wie Dyspnoe, post-Injektionskomplikationen und Brustschmerzen sowie signifikant weniger Hautreaktionen an der Einstichstelle auf als unter Glatirameracetat. Die Patienten gaben laut Limmroth zudem weniger Schmerzen und weniger Pruritus an.15

 

 

BETAPLUS® – umfassendes Service- und Betreuungsprogramm

 

Den Patienten das Krankheits- und Therapiemanagement zu erleichtern und so zugleich die Therapietreue zu verbessern, ist auch Ziel des BETAPLUS®-Service- und Betreu­ungsprogramms, das Bayer HealthCare den mit Betaferon® behandelten Patienten bietet. Diese erhalten umfangreiches Informationsmaterial zu allen Fragen rund um die MS bis hin zu einer App, der myBETAapp®, einem persönlichen mobilen Injektionsmanager, der sogar an die nächste fällige Injektion erinnert, berichtete Nicole Bub vom „Nurse Management West“ bei Bayer HealthCare.

 

Die Betreuung der Patienten erfolgt zudem über ein Serviceteam, das montags bis freitags jeweils von 8 bis 20 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr telefonisch kontaktiert werden kann. Sie stehen den Patienten sowie ihren Angehörigen bei Fragen und eventuell im Verlauf der Erkrankung oder deren Behandlung auftretenden Schwierigkeiten mit Rat und Tat zur Seite. Herzstück des BETAPLUS®-Programms ist laut Frau Bub jedoch die Betreuung durch den BETAPLUS®-Schwesternservice. Bereits innerhalb von 24 Stunden nach der Verordnung von Interferon beta-1b nimmt eine speziell auf MS und Betaferon® geschulte Schwester Kontakt zum Patienten auf, besucht diesen zu Hause und überwacht die Neueinstellung und auch die weitere Behandlung.

 

 

BETACOMFORT® - neuer Injektomat mit vereinfachter Handhabung

 

Die BETAPLUS®-Schwester schult die Patienten auch im Umgang mit dem Injektomaten, mit dem Betaferon® injiziert wird. Generell ist die Injektion per Injektomat besonders günstig: „Bei Einsatz einer Injektionshilfe kann es zu signifikant weniger Haut­reaktionen an der Einstichstelle kommen16“, erläuterte Frau Bub. Mit dem Injektomaten BETACOMFORT® bietet Bayer HealthCare nach ihren Worten den Patienten nun einen weiterentwickelten und verbesserten Injektomaten an. „Dieser wurde in enger Kooperation und im Austausch mit den behandelnden Ärzten und vor allem mit den Patienten entwickelt“, erklärte die BETAPLUS®-Schwester in Hamburg.

 

Sie schilderte dort auch die Vorteile des neuen Injektomaten: Als besondere Verbesserung bietet das neue System den Patienten zusätzlich einen integrierten Tiefeneinsteller. Sie können damit genau einstellen, wie tief die Nadel in die Haut eindringen soll (8, 10 oder 12 mm). Damit unterstützt der neue BETACOMFORT® die Injektion mit der von Bayer HealthCare entwickelten 3-Phasen-Injektionstechnologie, wobei in der ersten Phase der Einstich in die Haut erfolgt, in der zweiten Phase auto­matisch der Inhalt der Spritze injiziert und in der dritten Phase die Kanüle aus der Haut zurückgezogen wird. Der Injektomat ist leichter zu spannen und hat einen verbesserten Auslöser. Insgesamt benötigt er weniger Kraftaufwand als die bisherigen Systeme. Auch die Handhabbarkeit des neuen Systems wurde verbessert und ermöglicht so eine einfachere Injektion an schwer zugänglichen Injektionsstellen, wie beispielsweise am Gesäß. Er weist eine höhere Stabilität auf, ist also noch robuster geworden und besitzt eine optimierte Öffnungstaste. „Die Behandlung wird für die Patienten damit noch mal ein wenig einfacher, was die Compliance unterstützen kann“, so die ersten Erfahrungen von Nicole Bub.

 

 

Literatur 

  1. Ruggieri MN et al., Neurol Sci 2003; 24: 361-364
  2. Tremlett HL und Oger J, Neurology 2003; 61: 551-554
  3. Rio J et al., Mult Scler 2005; 11 (3): 306-309
  4. O‘Rourke KE und Hutchinson M, Mult Scler 2005; 11 (1): 46-50
  5. Haas J und Firzlaff M, Eur J Neurol 2005;1 2: 425-431
  6. Milanese L et al., J Neurol Neurosurg Psychiatry 2003;7 4: 1689-1692
  7. Halper J et al. – Poster 17 ANA – 2003; Expanding nursing support to patients with MS,
    The BETA Nurse Program
  8. Hessen C et al., Mult Scler 2004; 10 (6): 643-650
  9. Montalban X et al., Poster 466, ECTRIMS 2011, Amsterdam/Niederlande
  10. Edan G et al., Poster 925, ECTRIMS 2011, Amsterdam/Niederlande
  11. The IFNB MS Study Group, Neurology, 1993; 43: 655-661
  12. Reder AT et al., Neurology 2010; 74: 1877-1885
  13. Goodin D, Vortrag BSP-Symposium, ECTRIMS 2010, Göteborg/Schweden
  14. Goodin D et al., Neurology 2012; 78: 1315-1322
  15. O´Connor P et al., Lancet Neurology 2009; 8 (10): 889-892
  16. Brochet B et al., Rev Neurol (Paris) 2006; 162: 735-740

  

Über Bayer HealthCare Deutschland

 

Bayer HealthCare Deutschland vertreibt die Produkte der in der Bayer HealthCare AG zusammengeführten Divisionen Animal Health, Consumer Care, Medical Care (Diabetes Care und Radiology & Interventional) und Pharmaceuticals. Das Unternehmen konzentriert sich auf das Ziel, in Deutschland innovative Produkte in Zusammenarbeit mit den Partnern im Gesundheitswesen zu erforschen und Ärzten, Apothekern und Patienten anzubieten. Die Produkte dienen der Diagnose, der Vorsorge und der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin. Damit will Bayer HealthCare Deutschland einen nachhaltigen Beitrag leisten, die Gesundheit von Mensch und Tier zu verbessern.

 

www.gesundheit.bayer.de

 


 

Quelle: Bayer HealthCare, 26.09.2012 (tB).