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Merck schließt Patientenrekrutierung für ORACLE MS-Studie mit Cladribin-Tabletten bei Patienten mit erhöhtem Risiko von MS ab

 

Darmstadt (17. November 2010)) – Die Merck KGaA hat heute den Abschluss der Patientenrekrutierung für die klinische Studie ORACLE MS1 bekannt gegeben. Mit dieser randomisierten, placebokontrollierten, internationalen Phase-III-Doppelblind-studie wird beabsichtigt, die therapeutische Wirkung von Cladribin-Tabletten bereits zu dem Zeitpunkt bei Personen zu untersuchen, bei denen ein erstes klinisches Ereignis auf die Entwicklung von Multipler Sklerose (MS) hinweist. Für die Studie wurden 617 Patienten rekrutiert, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, aufgrund eines erst kurz zurückliegenden demyelinisierenden Ereignisses MS zu entwickeln, und bei denen eine kernspintomographische Untersuchung des Gehirns frühe Anzeichen von MS belegte. Die Patienten wurden zufällig den verschiedenen Studiengruppen zugeteilt.

 

„Das klinische Entwicklungsprogramm für Cladribin-Tabletten wurde dafür gestaltet, die möglichen therapeutischen Wirkungen einer Therapie mit Cladribin-Tabletten in den verschiedenen Stadien der Multiplen Sklerose zu erfassen“, erklärte Dr. Bruno Musch, Leiter der weltweiten klinischen Entwicklung Neurodegenerative Erkrankungen der Sparte Merck Serono. „Der Abschluss der Patientenrekrutierung für die ORACLE-MS-Studie ist ein bedeutender Meilenstein, da diese Studie Einblicke in die Auswirkungen einer Therapie mit Cladribin-Tabletten auf den Verlauf von Multipler Sklerose erlauben wird, wenn die Gabe zu einem frühen Zeitpunkt innerhalb des Krankheitsprozesses erfolgt.“

 

Das Phase-III-Programm für Cladribin-Tabletten umfasst neben der ORACLE-MS-Studie die abgeschlossene CLARITY2–Studie sowie die CLARITY-Anschlussstudie bei Patienten mit schubförmiger MS. Cladribin-Tabletten wurden vor kurzem in Australien und Russland unter dem Markennamen Movectro® als Therapie der schubförmigen MS zugelassen und befinden sich in anderen Ländern in den für die behördliche Zulassung notwendigen Überprüfungen. Die Zulassungsanträge für Cladribin-Tabletten zur Behandlung der schubförmigen MS stützen sich auf die Ergebnisse der CLARITY-Studie.

 

 

Design der ORACLE-MS-Studie

 

Die ORACLE-MS-Studie ist eine zweijährige (96 Wochen) randomisierte, placebokontrollierte internationale Doppelblind-Studie. Sie umfasst 617 Patienten, für die das Risiko besteht, aufgrund eines erst kurz zurückliegenden isolierten demyelinisierenden Ereignisses (z.B. optische Neuritis, Myelopathie oder Hirnstammsyndrom) MS zu entwickeln und bei denen eine kernspintomographische Untersuchung des Gehirns frühe Anzeichen von MS belegte. Die Studienteilnehmer wurden zufällig einer der drei Behandlungsgruppen zugewiesen (im Verhältnis 1:1:1), die entweder zwei unterschiedliche Dosierungen von Cladribin-Tabletten oder entsprechende Placebo-Tabletten erhalten.

 

Die Patienten werden über einen Zeitraum von zwei Jahren (96 Wochen) behandelt werden oder bis zu dem Zeitpunkt des Auftretens eines zweiten Ereignisses, das zur Diagnose einer klinisch gesicherten MS-Erkrankung führt. In diesem Falle würde den Patienten eine offen deklarierte Weiterbehandlung mit einer dreimal wöchentlichen Gabe von Rebif® 44 Mikrogramm über einen Zeitraum von 96 Wochen zur Aufrechterhaltung der Behandlung angeboten. Patienten, bei denen innerhalb der ersten 96 Wochen kein Übergang zu einer klinisch gesicherten MS feststellbar ist, können in der Folge an einer langfristigen Anschlussbehandlung über weitere 96 Wochen teilnehmen. Die Zeiträume zu Aufrechterhaltung und langfristiger Nachbehandlung innerhalb der Studie zielen darauf ab, die Wirkung einer frühzeitig einsetzenden Therapie mit Cladribin-Tabletten auf Schübe und nachfolgendes Ansprechen auf eine krankheitsmodifizierende Behandlung der schubförmigen MS zu untersuchen und die anhaltende Wirkung von Cladribin-Tabletten auf eine Verzögerung der Entwicklung einer klinisch gesicherten MS zu evaluieren.

 

Im Rahmen der Studie werden Cladribin-Tabletten im ersten Jahr in zwei (Gesamtdosis 3,5 mg/kg) oder vier (Gesamtdosis 5,25 mg/kg) Behandlungszyklen verabreicht, wobei das Präparat in jedem Zyklus an vier bis fünf aufeinander folgenden Tagen (abhängig vom Körpergewicht der Patienten) eingenommen wird. Das heißt, dass die an der Studie beteiligten Patienten im ersten Jahr lediglich an 8 bis maximal 20 Tagen Cladribin-Tabletten einnehmen müssen. Im zweiten Jahr erhalten die beiden Patientengruppen, die Cladribin bekamen, zwei Behandlungszyklen, das heißt, die Patienten nehmen an 8 bis 10 Tagen im Jahr Cladribin-Tabletten ein.

 

Primärer Endpunkt der ORACLE-MS-Studie ist die Zeit bis zur Entwicklung einer klinisch gesicherten MS entsprechend den Poser-Kriterien, definiert durch einen zweiten Schub oder einen anhaltenden Anstieg der innerhalb der EDSS-Skala zur Erfassung des Schweregrads der Behinderung erfassten Werte (Expanded Disability Status Scale, EDSS). Andere Endpunkte umfassten die Zeit bis zur Entwicklung von MS entsprechend der McDonald-Kriterien (wichtigster sekundärer Endpunkt), Beurteilungen von MRT-Scans des Gehins sowie das Fortschreiten der Behinderung.

 

 

Cladribin-Tabletten

 

Die orale Formulierung von von Merck Seronos Cladribin (Cladribin-Tabletten) befindet sich derzeit in der Entwicklung für die Behandlung von Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS). Cladribin ist ein kleines Molekül, das möglicherweise das Verhalten und die Proliferation bestimmter weißer Blutkörperchen, insbesondere von Lymphozyten, beeinflusst, die wahrscheinlich am pathologischen Prozess der MS beteiligt sind. Im Juli 2010 wurde in Russland die Marktzulassung für Cladribin-Tabletten zur Behandlung der schubförmigen MS erteilt. Im September 2010 erfolgte die Zulassung in Australien. In anderen Ländern befinden sich Cladribin-Tabletten in den für die behördlichen Zulassungen notwendigen Überprüfungen.

 

 

Das klinische Entwicklungsprogramm für Cladribin-Tabletten umfasst:

 

 

 

 

 

 

Multiple Sklerose

 

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und die häufigste, nicht-traumatische, zu Beeinträchtigungen führende neurologische Erkrankung bei jungen Erwachsenen. Schätzungen zufolge sind weltweit rund zwei Millionen Menschen an MS erkrankt. Die Symptome können unterschiedlich sein, wobei vor allem Sehstörungen, Taubheit oder Kribbeln in den Gliedmaßen sowie körperliche Schwächung und Koordinationsstörungen auftreten. Am weitesten verbreitet ist die schubförmig verlaufende MS.

 

 

Anmerkungen

 

 

 


Quelle: Merck KgaA, 17.11.2010 (tB)