Niedrige Pneumokokken-Impfrate bei Immunsupprimierten

Haus- und Fachärzte tauschen sich zu Therapien aus,
weniger zu Impfungen

Berlin (16. April 2018) - Anlässlich des 124. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) stellte Pfizer die Ergebnisse einer Umfrage zur Kommunikation zwischen Haus- und Fachärzten zum Thema Impfen vor. Das Ergebnis: Nahezu alle Hausärzte tauschen sich über die Therapie ihrer immunsupprimierten Patienten aus. Aber nur knapp ein Fünftel der befragten Hausärzte kommt dabei immer auf das Thema Impfen zu sprechen.1 Dabei sind Impfungen wegen des erhöhten Infektionsrisikos für Immunsupprimierte besonders wichtig. Die Impfquoten aber sind gering: So haben einer Studie zufolge lediglich 4,4 Prozent der immunsupprimierten Patienten innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Diagnose die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Pneumokokken-Impfung erhalten.2



Laut der von Pfizer vorgestellten Umfrage tauschen sich in der Regel alle befragten Hausärzte immer oder manchmal mit Fachärzten über die Therapie des gemeinsam betreuten Patienten mit Immunsuppression aus (47 Prozent „Ja, immer“, 53 Prozent „Manchmal“). Ein anderes Bild ergibt sich bei dem wichtigen Thema Impfen: Hier findet ein Informationsaustausch zwischen den Kollegen deutlich seltener statt: So tauschen sich lediglich 14 Prozent der Hausärzte mit dem Facharztkollegen immer über das Thema Impf-Beratung aus. Zwei Drittel (67 Prozent) manchmal und fast jeder fünfte Hausarzt nie (19 Prozent). Auch zu den Themen Impfstatus und Pneumokokken-Impfung tauschen sich weniger als 20 Prozent immer mit dem behandelnden Facharzt aus; 21 Prozent der Befragten tun dies nie.

Diese Ergebnisse diskutierten Dr. Markus Frühwein, Facharzt für Allgemeinmedizin mit den Schwerpunkten Reisemedizin, Tropenmedizin und Impfmedizin in München, und Nicole Weider, Expertin für Kommunikation im Gesundheitswesen, bei einem Pressegespräch auf dem DGIM.


Bei der Impf-Beratung sind Haus- und Fachärzte in der Pflicht

„Mit den Empfehlungen der STIKO zu Indikationsimpfungen wird deutlich, dass sich neben den Hausärzten auch Fachärzte mit dem Thema Impfschutz auseinandersetzen sollten“, kommentierte Frühwein das Ergebnis. „Insbesondere wenn diese chronisch Kranke oder immunsupprimierte Patienten betreuen. Nur durch einen intensiven Austausch können wir bestehende Impflücken schließen und Patienten helfen, die aufgrund einer Immun-suppression besonders schutzbedürftig sind.“

Weider fügte hinzu: „Aus der Umfrage ist ersichtlich, dass das Telefon derzeit noch das Mittel der Wahl beim Austausch zwischen Haus- und Facharzt ist. Relativ selten wird die E-Mail als Kommunikationstool genutzt, obwohl sie ein äußerst einfacher und schneller Kommunikationsweg ist.“ 78 Prozent der Befragten geben an, für den interdisziplinären Austausch das Telefon, 60 Prozent den Patientenbrief und 18 Prozent die E-Mail zu nutzen. „Mit Blick auf die Zukunft werden digitale Lösungen hoffentlich neue Möglichkeiten bieten, den Informationsfluss zwischen verschiedenen Praxen zu verbessern und effizientere Abstimmungen möglich zu machen.“

Nach Ansicht etwa der Hälfte der Befragten sind Facharzt und Hausarzt gleichermaßen verantwortlich für die Identifizierung und die Impf-Beratung immunsupprimierter Patienten (Identifizierung: 54 Prozent, Impf-Beratung 52 Prozent). Bei der Frage, wer für die Durchführung einer Impfung zuständig ist, zeigt sich ein anderes Bild: Etwa zwei Drittel (64 Prozent) der befragten Hausärzte sehen dabei sich und ihre Kollegen als Hausarzt in der Pflicht. Das andere Drittel der Befragten dagegen sieht die Verantwortung sowohl bei der allgemeinen Impf-Durchführung (33 Prozent) als auch bei der Pneumokokken-Impfung im Speziellen (32 Prozent) bei beiden Ärztegruppen gleichermaßen.


Kommunikation zwischen Haus- und Facharzt essenziell

Frühwein, der in seiner Praxis selbst immunsupprimierte Patienten betreut, erinnerte an die Sorgfaltspflicht aller Ärzte: „Persönlich sehe ich jeden Arzt, der einen Patienten mit Immunsuppression betreut, in der Verantwortung, ihn auch zu Vorsorgeimpfungen zu beraten. Es geht ja auch darum, Patienten ein möglichst langes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.“ Weider ergänzte: „Im Alltag lässt sich die Verantwortung oft doch gar nicht so klar trennen. Dort, wo der Patient sich besser aufgehoben fühlt, lässt er sich beraten und impfen. Auch wenn ihm Fakten sowie das Für und Wider einer Impfung bekannt sind, basieren solche Entscheidungen zum Großteil auf einer guten Arzt-Patienten-Beziehung.“

„Insbesondere bei Patienten mit Immunsuppression bestehen bei manchem Hausarzt Unsicherheiten, eventuell aus Sorge vor einer möglichen Verschlimmerung der Haupterkrankung. Deshalb ist die Kommunikation mit dem behandelnden Facharzt wichtig, um Sicherheit zu schaffen. Auch kann eine subjektiv wahrgenommene Ablehnung der Impfung durch den Patienten den Arzt daran hindern, zu impfen.“ Eine Umfrage hat allerdings ergeben, dass über 90 Prozent der Patienten einer Impfempfehlung ihres Arztes folgen würden.3


STIKO-Empfehlung zur Pneumokokken-Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt seit 2016 Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten bzw. Immunsuppression eine sequenzielle Impfung gegen Pneumokokken.4 Den Patienten wird zunächst der 13-valente Konjugatimpfstoff PCV13 appliziert, sechs bis zwölf Monate später der 23-valente Polysaccharidimpfstoff PPSV23.4 Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten Immun-supprimierten die Kosten für die sequenzielle Pneumokokken-Impfung mit Prevenar 13® und PPSV23.5


Quellen

  1. IFAK Institut. „Impf-Beratung im Spannungsfeld zwischen Haus- und Fachärzten: Bedeutung der interdisziplinären Kommunikation.“ Online-Befragung von 100 Hausärzten im Auftrag von Pfizer.
  2. Schmedt N et al. Pneumokokkenimpfraten bei immungeschwächten Patienten in Deutschland, Vortrag auf der 24. Jahrestagung der GAA (30.11.2017, Erfurt), Abstract 100.
  3. Ipsos Mori. PneuVUE-Umfrage. Neue Sichtweisen der Pneumonie bei älteren Erwachsenen, 2016. Stichprobengröße für Deutschland: n = 1.001.
  4. Epidemiologisches Bulletin vom Robert Koch-Institut, 34/2016.
  5. G-BA. Schutzimpfungs-Richtlinie (https://www.g-ba.de/downloads/39-261-2779/2016-12-01_SI-RL_STIKO-09-2016.pdf), zuletzt aufgerufen am 05.04.2018.

 

Pfizer – Gemeinsam für eine gesündere Welt
 
Wenn Menschen krank werden, können sich viele Dinge für sie verändern – ein oft schwieriger Weg beginnt. Mehr als 10.000 Forscher und etwa 97.000 Mitarbeiter arbeiten bei Pfizer daran, Menschen auf diesem Weg zu unterstützen. Sie entwickeln, produzieren und vertreiben innovative Medikamente und Impfstoffe sowie einige der weltweit bekanntesten rezeptfreien Produkte.
 
Das Unternehmen mit Hauptsitz in New York erzielte im Geschäftsjahr 2017 einen Gesamtumsatz von 52,5 Milliarden US-Dollar. In Deutschland beschäftigt Pfizer derzeit rund 2.500 Mitarbeiter an drei Standorten: Berlin, Freiburg und Karlsruhe.

 


Quelle: Pfizer Pharma, 16.04.2018 (tB).