Home Hepatitis ELPA stellt die ernüchternden Ergebnisse des 2016 Hep-CORE Berichts vor: Erste große europäische Studie deckt gravierende Lücken in den Hepatitis-Strategien der Länder auf
28 | 05 | 2017
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ElPA_LogoELPA stellt die ernüchternden Ergebnisse des 2016 Hep-CORE Berichts vor

Erste große europäische Studie deckt gravierende Lücken in den Hepatitis-Strategien der Länder auf

Berlin (20. Dezember 2016) – In mehr als der Hälfte der befragten 25 Länder in Europa und der 2 Länder im angrenzenden Mittelmeerraum fehlen nationale Strategien zur Bekämpfung der Virushepatitis B oder C – und dies, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle Staaten dazu aufgefordert hat, entsprechende Strategien zu entwickeln. Nur drei dieser Länder bieten uneingeschränkten Zugang zu hochwirksamen, direkt wirkenden, antiviralen Medikamenten zur Behandlung von Hepatitis C.

Dies sind nur zwei ernüchternde Ergebnisse der 2016 Hep-CORE Studie zu den Strategien und zur Praxis im Kampf gegen die virale Hepatitis in Europa, die heute von der European Liver Patients Association (ELPA) veröffentlicht wurde.

Leiter der Hep-CORE Studie ist Prof. Jeffrey V. Lazarus, Barcelona Institute of Global Health, (ISGlobal), Universität Barcelona. „Mit der WHO-Strategie gegen Virushepatitis wurde das Jahr 2016 zu einem Wendepunkt im Kampf gegen diese schwere Infektionskrankheit“, erläutert Prof. Lazarus. „Die Region Europa könnte und sollte die Führung bei der Umsetzung dieser Strategie übernehmen. Die Ergebnisse der Hep-CORE Studie analysieren in bisher nicht da gewesener Weise die regionalen und nationalen Lücken. Sie weisen auf Mängel in den Strategien hin und geben Empfehlungen für Maßnahmen, die Standard werden sollten."

Zum Beispiel zeigt diese grundlegende Studie, dass trotz der dringenden Notwendigkeit von breit angelegtem Monitoring und praktizierter Krankheitsüberwachung 17 Länder (63 %) kein nationales Register für Virushepatitis B (HBV) und 15 Länder (56 %) keines für Hepatitis C (HCV) führen.

Der grundsätzlich offene Zugang zu Tests und Screening-Einrichtungen ist vor allem für Personen aus Hochrisikogruppen, z. B. für Menschen, die Drogen injizieren oder für Gefängnisinsassen von entscheidender Bedeutung. Trotzdem berichten Patientengruppen aus 10 Ländern (37 %), dass dort außerhalb von Krankenhäusern keine HCV-Tests oder Screening-Standorte für die allgemeine Bevölkerung angeboten werden. Noch alarmierender ist, dass Patientengruppen aus 12 Ländern (44 %) berichten, es gebe solche Einrichtungen selbst für Hochrisikogruppen nicht außerhalb von Krankenhäusern.

Mit dem Hep-CORE Report hat die ELPA einen einzigartigen Studienansatz gewählt. Die Daten wurden von Spezialisten vor Ort gesammelt. Das Forschungsteam um Prof. Lazarus bat eine Patientengruppe in jedem der 27 ELPA-Mitgliedsstaaten, 39 Fragen zu verschiedenen Aspekten von HBV und HCV zu beantworten: nationale Aufmerksamkeit, öffentliches Bewusstsein und Engagement, Krankheitsüberwachung und Datenerhebung, Präventionsmaßnahmen, Tests und Diagnose, klinische Überwachung und Therapie.

Ein Teil der Fragen widmete sich dem Verständnis zur Hepatitis-Prävention in den einzelnen Ländern. Dieser Abschnitt konzentrierte sich auf die Verfügbarkeit von Maßnahmen, die geeignet sind, mit dem Drogenkonsum verbundene Gesundheitsschäden zu vermindern – wie zum Beispiel die Ausbreitung des Hepatitis-Virus. Programme für saubere Nadeln und Spritzen werden in 22 Ländern (81 %) in mindestens einem Gebiet angeboten, Opioid- Substitutionstherapien in 24 Ländern (89 %) und Drogenkonsumräume in nur 5 Ländern (19 %). Es bestehen weiterhin deutliche Lücken in der Verfügbarkeit von schadensmindernden Maßnahmen.

„Es ist völlig inakzeptabel, dass Hepatitis in Europa weiterhin so inkonsequent bekämpft wird. Es gibt ausgezeichnete Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten, uns stehen gut durchdachte Strategien zur Verfügung, und wir haben zahlreiche internationale Initiativen, vor allem von der WHO", sagt Tatjana Reic, Präsidentin der ELPA. „Ich erwarte, dass diese Studie die Überwachung der Leitlinien zur Virushepatitis auf regionaler – und sogar auf globaler Ebene – verändert."

Basisdaten zur Übertragung und Entwicklung der Infektion sind Voraussetzung für den Kampf gegen pandemische Infektionskrankheiten wie die Virushepatitis. Es mangelt in Europa an solchen Daten, und sogar in Best-Case-Szenarien werden sie nur ungenau erhoben. Wir wissen, dass jedes Jahr 171.000 Menschen an den Folgen von Virushepatitis sterben (ca. 2 % aller Todesfälle pro Jahr). Das entspricht mehr als 400 Todesfällen durch Hepatitis pro Tag. Die überwiegende Mehrheit dieser Todesfälle ist auf Spätfolgen chronischer HBV- und HCV-Infektionen zurückzuführen (die im Jahre 2013 schätzungsweise 56.000 bzw. 112.500 Todesfälle verursachten).

„Die Reduktion der Inzidenz von Hepatitis C in definierten Risikogruppen auf Null ist in den kommenden Jahren möglich. Dafür benötigen wir eine strenge HCV-Überwachung in allen europäischen Ländern, effektive Screening-Programme, eine Behandlung mit hochwirksamen Therapien und eine enge Zusammenarbeit der Akteure", betont Prof. Massimo Colombo von der Universität Mailand und Vorsitzender der EASL International Liver Foundation.

Prof. Lazarus resümiert, dass „die Ergebnisse der Hep-CORE Studie eine Grundlage für alle darstellen, die sich im Kampf gegen HBV- und HCV-Infektionen in Europa engagieren. Dies ist im Einklang mit der globalen WHO-Strategie und dem kürzlich angenommen „Aktionsplan für den Einsatz des Gesundheitssektors gegen Virushepatitis in der WHO-Region Europa". Wir haben jetzt eine Basis, auf der wir eine systematische Hepatitisprävention, -behandlung und -pflege aufbauen und die dringend benötigten Fortschritte überwachen können. Virushepatitis betrifft Millionen von Menschen in Europa. Sie muss in großem Maßstab bekämpft werden, und das erfordert die aktive Mitarbeit jedes einzelnen Landes und abgestimmte europaweite Aktivitäten."

Über ELPA

Die Europäische Liver Patients Association (ELPA) wurde 2005 gegründet und vertritt die Interessen von Menschen mit Lebererkrankungen. ELPA hat derzeit 35 Mitgliedsgruppen aus 27 Ländern. ELPA und seine Mitglieder engagieren sich in Multi-Level-Lobbying- Initiativen auf EU- und nationaler Ebene und unter Einbindung von Fachverbänden für Leberkrankheiten und Experten für Public Health.

ELPA Mitgliedsgruppen, die sich an der 2016 Hep-CORE Studie beteiligt haben, repräsentieren die folgenden 27 Länder:

Ägypten
Belgien
Bosnien & Herzegowina
Bulgarien
Dänemark
Deutschland
Finnland
Frankreich
Griechenland
Israel
Italien
Kroatien
Mazedonien
Niederlande
Österreich
Polen
Portugal
Rumänien
Schweden
Serbien
Slowakei
Slowenien
Spanien
Türkei
Ukraine
Ungarn
Vereinigtes Königreich


Quelle: European Liver Patients Association (ELPA) , 20.12.2016 (tB).

 
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