JiviIndividualisierte Hämophilie A-Therapie

Starke Perspektiven für die Hämophilie A-Therapie mit Jivi®

  • Neuer rekombinanter Faktor VIII (rFVIII) mit verlängerter Halbwertszeit ermöglicht mit drei studiengeprüften Prophylaxeregimen hohe Dosierungsflexibilität mit gutem Schutz vor Blutungen
  • Jivi ist der erste rFVIII mit verlängerter Halbwertszeit, der eine einmal wöchentliche Gabe ermöglicht
  • FVIII mit hohem Stellenwert in der Prophylaxetherapie sowie bei Blutungen und chirurgischen Eingriffen / Bayer erforscht in der Hämophilie monoklonale Antikörper und Gentherapien

Leverkusen (29. Januar 2019) – Der neue rekombinante Faktor VIII mit verlängerter Halbwertszeit, Jivi® (BAY94-9027, Damoctocog alfa pegol), eröffnet neue Perspektiven für eine individualisierte Therapie der Hämophilie A. Jivi lässt mit drei studiengeprüften Prophylaxeregimen eine hohe Dosierungsflexibilität mit gutem Schutz vor Blutungen zu.(1) Jivi ist der erste rFVIII mit verlängerter Halbwertszeit, der eine einmal wöchentliche Dosierung zur Prophylaxetherapie ermöglicht. Damit hat Bayer die Entwicklung der rekombinanten FVIII-Technologie seit der Einführung von Kogenate® im Jahr 1994 konsequent weiter entwickelt. Heute stehen mit Kovaltry® und Jivi® zwei Präparate mit deutlich verbesserter Pharmakokinetik, hoher Wirksamkeit und Verträglichkeit zur Verfügung. Bayer erforscht weitere innovative Behandlungsansätze mit monoklonalen Antikörpern und Gentherapien, um den Bedürfnissen der Hämophilie-Patienten in Zukunft noch besser gerecht zu werden.



Höhere Protektionsspiegel oder weniger Injektionen durch verlängerte Halbwertszeit

Jivi ist ein neuer rekombinanter PEGylierter FVIII mit verlängerter Halbwertszeit (extended half-life; EHL rFVIII), der zur Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei vorbehandelten Jugendlichen und Erwachsenen ab zwölf Jahren mit Hämophilie A indiziert ist.(2) Das Produkt bietet mit drei studiengeprüften, zugelassenen Prophylaxeregimen eine hohe Dosierungsflexibilität und kann individuell abgestimmt auf die klinische Situation des jeweiligen Patienten und dem Ansprechen auf die Behandlung einmal wöchentlich, alle fünf Tage oder zweimal wöchentlich eingesetzt werden. „Die Dosierung und Frequenz sollte entsprechend dem Therapieziel und den klinischen Merkmalen der Patienten, wie Blutungsneigung, Gelenkzustand und Aktivitätsgrad, festgelegt werden“, sagt Professor Dr. Johannes Oldenburg, Bonn. Der in den Zulassungsstudien als BAY94-9027 bezeichnete EHL rFVIII Jivi konnte so modifiziert werden, dass das Molekül länger vor einem enzymatischen Abbau geschützt ist. Dies wird durch eine spezifische PEGylierung an der A3-Domäne erreicht. Die verbesserten pharmakokinetischen Eigenschaften dokumentiert die Phase I-Studie mit einer um 40 % verlängerten Halbwertszeit im Vergleich zu Kogenate® Bayer sowie eine höhere Wirkstoffkonzentration im Zeitverlauf (AUC).(3) Die in der Phase II/III-Studie erfolgreich geprüften Prophylaxedosierungen waren 60 I.E./kg einmal wöchentlich, 45-60 I.E./kg alle fünf Tage oder 30-40 I.E./kg zweimal wöchentlich.(1)


PROTECT VIII-Studie: Jivi ist wirksam und verträglich bei Prophylaxe und Bedarfstherapie

Die Zulassung von Jivi erfolgte auf Basis der Phase II/III-Studie PROTECT VIII.(1) „Die Studie zeigt die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit der Prophylaxe- und Bedarfstherapie mit dem neuen EHL rFVIII und belegt dies in der Extensionstudie über einen Beobachtungszeitraum von insgesamt fünf Jahren“, erklärt Oldenburg.(1,4) 90 % der Studienteilnehmer konnten im Vergleich zur vorherigen Prophylaxe ihre Injektionsfrequenz mit Jivi reduzieren.(5) In der Gruppe der Patienten, die im gesamten Verlauf der Hauptstudie die Dosierung einmal pro Woche erhalten hatten (Completers), lag die jährliche Blutungsrate (ABR) bei 0,96; die Hälfte dieser Patienten hatte keine Blutungen. Die ABR bei Patienten mit einer Dosierung alle 5 Tage oder zweimal wöchentlich lag bei jeweils 1,9.(6) Auch in der Verlängerungsstudie (PROTECT VIII Extensionstudie) erwies sich Jivi über einen Zeitraum von bis zu 5,2 Jahren als effektiv in Bezug auf die Blutungsprophylaxe.(4) Im Management von Blutungen überzeugte Jivi ebenfalls: 91 % aller Blutungen wurden mit einer oder zwei Injektionen kontrolliert.(1) Gleichfalls dokumentiert die PROTECT VIII-Studie ein gutes Sicherheitsprofil für Jivi: Es gab keine schweren unerwünschten Ereignisse durch Jivi und kein Patient bildete Faktor-VIII-Inhibitoren oder neutralisierende Anti-PEG Antikörper.(1) „Aufgrund seiner verbesserten Pharmakokinetik eignet sich Jivi insbesondere für Patienten, die einen stärkeren Blutungsschutz benötigen, zum Beispiel weil sie eine höhere Blutungsneigung haben oder bei gesteigerter körperlicher Aktivität. Bei Patienten mit normaler Blutungsneigung und mit geringer körperlicher Aktivität oder schlechtem Venenzustand kann Jivi eine Verringerung der Injektionsfrequenz erlauben“, resümiert Oldenburg.


Therapieziele werden mit der neuen FVIII-Generation deutlich höher gesteckt

Die Faktor VIII-Substitution ist in Deutschland aktueller Therapiestandard, um Patienten vor Blutungen sowie deren möglichen Langzeitfolgen zu schützen(7) und Gelenkgesundheit und Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten. Die FVIII-Substitution ist eine der Natur nachempfundene Therapieform, denn sie greift nicht in das Gerinnungssystem ein, sondern ersetzt den vom Körper nicht ausreichend oder fehlerhaft gebildeten Gerinnungsfaktor VIII. Zum Einsatz kommen plasmatisch oder rekombinant hergestellte FVIII-Produkte, deren hohe Therapiesicherheit dank klinischer Langzeiterfahrungen(8) gut dokumentiert ist. FVIII-Produkte haben die heute in Deutschland etablierte Prophylaxetherapie erst möglich gemacht, die seit 2015 vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) als wirksamer Therapiestandard in allen Altersgruppen anerkannt ist.(9) „Patienten mit Hämophilie A können heute ein annähernd normales Leben führen und sich auf eine hohe Qualität und Verfügbarkeit bei den Produkten zur FVIII-Substitutionstherapie verlassen“, so Privatdozent Dr. Robert Klamroth, Berlin. Die neueste Generation Halbwertszeit verlängerter FVIII-Produkte ermöglicht Patienten höhere Protektionsspiegel über längere Zeiträume und damit die Perspektive auf eine vollständige Blutungsvermeidung und bessere Lebensqualität.(10)


Meilensteine in der Entwicklung verbesserter Therapieoptionen

Die Entwicklung innovativer Therapieansätze mit Potential, die Lebensqualität der Betroffenen weiter zu verbessern, ist ein Schwerpunkt der Bayer Forschung. „Ansätze zur Erforschung alternativer oder potentiell kurativer Behandlungsoptionen für Hämophilie Patienten befinden sich in der klinischen Entwicklung“, sagt Dr. Frank Misselwitz, Leiter des Bereichs Thrombose und Hämatologie der klinischen Entwicklung von Bayer. Dazu gehört ein monoklonaler Antikörper (monoclonal antibody, MAb), ein Inhibitor des Tissue Factor Pathway Inhibitors (TFPI), der sich unter dem Entwicklungsnamen BAY 1093884 in der klinischen Phase II befindet.(11) TFPI ist ein körpereigener Gerinnungshemmer, der die Gerinnung direkt am verletzten Gefäß reguliert. Ziel der TFPI-Hemmung ist die Erhöhung des FXa-Spiegels und die Erhöhung der Thrombin-Produktion. Der MAb kann durch subkutane Injektion verabreicht werden.

In der Gentherapie werden zwei methodische Ansätze erforscht. Die vektorbasierte Gentherapie zielt auf die Wiederherstellung der FVIII-Produktion: Ein neues, intaktes Gen wird in ein Gen-Shuttle (Adeno-assoziiertes Virus-System, AAV) überführt und dem Patienten per Injektion in die Vene verabreicht. Die AAV Gentherapie wird in Kooperation mit Ultragenyx entwickelt. Die klinische Phase I/II hat im November 2018 begonnen.

Eines der innovativsten Verfahren, das die Gentechnologie in jüngster Zeit hervorgebracht hat, ist die CRISPR/Cas9-Technologie, mit der ein defektes Gen, beispielsweise für den Faktor VIII, im Erbgut von Zellen gezielt ausgetauscht werden kann. „Zur Erschließung des Potentials dieser Technologie, die einen Durchbruch bei der Behandlung genetischer Erkrankungen darstellen könnte, hat Bayer mit dem Schweizer Unternehmen CRISPR Therapeutics das Joint Venture CASEBIA Therapeutics gegründet“, erklärt Misselwitz.


Über Hämophilie A

Hämophilie A, umgangssprachlich auch „Bluterkrankheit“ genannt, ist eine genetische Erkrankung. Durch einen Mangel oder einen Defekt des Gerinnungsfaktors VIII (FVIII) ist die Blutgerinnung gestört. Bei den Betroffenen kommt es daher immer wieder zu Blutungen in Muskeln, Gelenken oder anderen Geweben, die zu Langzeitschäden führen können. Äußere Verletzungen, auch wenn sie trivial sind, können schwerwiegende Folgen haben, da das Blut langsamer gerinnt als bei Gesunden. Das Gen für FVIII liegt auf dem X-Chromosom. Daher leiden in erster Linie Jungen und Männer an Hämophilie A. Frauen sind Überträgerinnern – sogenannte Konduktorinnen – der Krankheit und können sie an ihre Söhne weitergeben. Selbst leiden Frauen selten an den Symptomen der Hämophilie. In Deutschland leben rund 4.000 Menschen mit Hämophilie A. Neben Hämophilie A gibt es noch die seltenere Hämophilie B, bei der der Blutgerinnungsfaktor IX betroffen ist. Hämophilie ist bis heute nicht heilbar. Die Prophylaxe von Blutungen ist der Therapiestandard in Deutschland, um Blutungen zu vermeiden. Hämophilie ist gut behandel- und beherrschbar, so dass die Betroffenen ein nahezu normales Leben führen können.

-------------------

(1) Reding MT, et al.; J Thromb Haemost 2017;15:411–9
(2) Fachinformation Jivi®, Stand November 2018
(3) Coyle TE, et al.; J Thromb Haemost 2014;12:488–96
(4) Thomson et al.; Haemophilia 2018; 24(S1): 114
(5) Kerlin BA et al.; Am J Hematol 2018; 93: E32. doi:10.1002/ajh.25268
(6) Reding MT et al.; Blood 2010;116:270-279
(7) Srivastava A. et al; Haemophilia (2013), 19, e1–e47
(8) Bericht Paul-Ehrlich-Institut, Stand Dez. 2018: https://www.pei.de/DE/infos/meldepflichtige/meldung-blutprodukte-21-transfusionsgesetz/berichte/berichte-21tfg-node.html
(9) IQWIG Rapid Report 2015, Bericht Nr. 305, Auftrag A13-07, Version 1
(10) Poon MC et al. Thromb J 2016; 14 (Suppl. 1): 32
(11) Gu JM et al. AAPS J 2017; 19 (4): 1186–1195

 
Über Bayer
 
Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Life-Science-Gebieten Gesundheit und Agrarwirtschaft. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Gleichzeitig will der Konzern Werte durch Innovation, Wachstum und eine hohe Ertragskraft schaffen. Bayer bekennt sich zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und handelt als „Corporate Citizen“ sozial und ethisch verantwortlich. Im Geschäftsjahr 2017 erzielte der Konzern mit rund 99.800 Beschäftigten einen Umsatz von 35,0 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,4 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 4,5 Milliarden Euro.

  • Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de

 
 
Die Bayer Vital GmbH vertreibt die Arzneimittel der Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals sowie die Tierarzneimittel der Geschäftseinheit Animal Health in Deutschland.

 

Abb. oben: Jivi® – ein neuer rekombinanter PEGylierter Faktor VIII:
Das Jivi-Molekül weist eine spezifische PEGylierung (grün) an der A3-Domäne auf, wodurch eine verlängerte Halbwertszeit erzielt werden kann. Quelle: Bayer Vital GmbH, Leverkusen





Quelle: Bayer Vital, 29.01.2019 (tB).