Ethik

Die Tabuisierung des Leidens

Forschungsergebnisse der Tübinger Studie "Gesundheit im Spitzensport"

 

Tübingen (17. November 2009) - Über den extremen Druck, dem Spitzenathleten ausgesetzt sind, wird immer erst nach Ereignissen wie der Selbsttötung von Nationaltorhüter Robert Enke geredet. Dabei sind stressbedingte Beschwerden im Spitzensport durchaus keine Ausnahmeerscheinungen, wie die unter der Leitung des Tübinger Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ansgar Thiel entstandene Studie "Gesundheit im Spitzensport" belegt, die in wenigen Wochen im Hoffmann-Verlag Schorndorf erscheinen wird. Die vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft geförderte Analyse mit über 700 Spitzenathleten, Trainern und Funktionären aus den Sportarten Handball und Leichtathletik zeigt die gesundheitsbezogenen Schattenseiten des Spitzensports. Fast die Hälfte der befragten Athleten berichtete z.B. über Phasen von Ausgebranntsein und Kraftlosigkeit, fast 30% gaben an, mindestens einmal im Monat an Schlafstörungen zu leiden und mehr als ein Fünftel klagte über gelegentliche Depression und Melancholie. Das Problem sei aber, so Ansgar Thiel, der die Studie in den Jahren 2006 bis 2008 in Zusammenarbeit mit seinen Tübinger Kollegen Jochen Mayer und Prof. Dr. Helmut Digel durchgeführt hat, "dass diese Probleme aufgrund der Fokussierung auf die körperliche Leistungsfähigkeit weitestgehend tabuisiert werden". Bei der Jagd nach dem sportlichen Erfolg ist für das Zeigen von Schwäche kein Platz.

Vielfältiges zum Reformationstag

 

reformationstagHannover (20. Oktober 2009) - Zahlreiche Infos und Aktionen um den Reformationstag am 31. Oktober präsentiert die Seite www.reformationstag.de. In diesem Jahr hat die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend (aej) eine reichhaltige Materialsammlung gestaltet. In einem Fernsehgottesdienst an diesem Feiertag, der an den Thesenanschlag von Martin Luther am 31. Oktober 1517 in Wittenberg erinnert, predigt Landesbischöfin Margot Käßmann aus Hannover und es singen „Die Prinzen“ aus Leipzig.

 

Memorandum "Das optimierte Gehirn"

Empfehlungen zum verantwortungsvollen Umgang mit den Chancen und Risiken des pharmazeutischen Neuro-Enhancements

 

Berlin (12. Oktober 2009) - Zunehmend berichten Medien von Studenten, die zur Prüfungsvorbereitung Aufputschmittel nehmen, oder von Menschen, die dem Druck am Arbeitsplatz mit Medikamenten begegnen, welche sonst zur Behandlung von Depressionen (Antidepressiva) oder der Alzheimerkrankheit (Antidementiva) dienen. Eine solche Verwendung von Psychopharmaka ohne therapeutischen Zweck wird oft abschätzig als "Hirndoping" bezeichnet. Als neutrale Alternative hat sich in Fachkreisen der Begriff "Neuro-Enhancement" durchgesetzt.

Diakonie sieht ihre Aufgabe verstärkt in Wächterfunktion

 

Schwerin (14. Oktober 2009)  - Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise sieht die Diakonie ihre Aufgabe verstärkt  in einer Wächterfunktion. "Wenn in einem veränderten Sozialstaat weniger Mittel für soziale Aufgaben zur Verfügung stehen, muss die Diakonie dafür sorgen, dass die Sparmaßnahmen nicht auf Kosten derer gehen, die sowieso schon benachteiligt sind", sagte Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik vor der Diakonischen Konferenz, die noch bis zum 15. Oktober in Schwerin tagt.

Kottnik betonte, die Diakonie werde weiter dafür kämpfen, dass ihr Anspruch, für Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen, auch politisch umgesetzt werde. Als Beispiel für eine erfolgreiche Arbeit für Menschen, die keine Lobby haben, nannte er die nächste Woche beginnenden Verhandlungen des Bundesverfassungsgerichts über die Höhe der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder.

Ethische Aspekte der Organtransplantation

 

Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz

 

Göttingen (28. September 2009) - „Die Organverpflanzung entspricht dem sittlichen Gesetz, wenn die physischen und psychischen Gefahren und Risiken, die der Spender eingeht, den Nutzen, der beim Empfänger zu erwarten ist, entsprechen. Die Organspende nach dem Tod ist eine edle und verdienstvolle Tat, sie soll als Ausdruck großherziger Solidarität gefördert werden. Sie ist sittlich unannehmbar, wenn der Spender oder die für ihn Verantwortlichen nicht ihre ausdrückliche Zustimmung gegeben haben. Zudem ist es sittlich unzulässig, die Invalidität oder den Tod eines Menschen direkt herbeizuführen, selbst wenn dadurch der Tod anderer Menschen hinausgezögert würde.“ 1