Ethik

Beängstigende Wirklichkeit

Elisabeth Hübler-Umemoto schreibt aus Tokio nach Deutschland

 

Elisabeth Hübler-Umemoto ist evangelische Auslandspfarrerin in Tokio. Die Stimmung in Japan nach der Erdbebenkatastrophe und ihre Gedanken dazu schildert sie in eindrücklichen Worten. Photo: EKDTokyo, Japan (21. März 2011) - Elisabeth Hübler-Umemoto ist evangelische Auslandspfarrerin in Tokio. Die Stimmung in Japan nach der Erdbebenkatastrophe und ihre Gedanken dazu schildert sie in eindrücklichen Worten:

 

Was früher ein Hintergrundgefühl war, ist jetzt eine beängstigende Wirklichkeit: Je nach dem, wo ich bin, wird für mich die Sache so oder so ausgehen. Beim Erdbeben in der Autoschlange in einer Unterführung und oben das Meer, war eine im Hintergrund mitschwingende Möglichkeit, die man verdrängen muss, sonst kann man nicht in einem Erdbebenland leben.

 

„Wo warst du, Gott?“

Gebetstext für den heutigen Sonntag „Reminiszere“

Hannover (20. März 2011) - Der Gottesdienst am heutigen Sonntag stand in vielen Gemeinden auch im Zeichen der Erdbeben- und Nuklearkatastrophe in Japan. Dieser zweite Sonntag der Passionszeit heißt „Reminiscere“. Er ist benannt nach einem Vers aus Psalm 25: „Gedenke (lat. Reminiscere) Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind“ (Psalm 25,6). Das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat eine Fürbitte für Japan formuliert, sie hat folgenden Wortlaut:

Photo: Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)„Wir glauben an die verändernde Kraft des Gebetes“

Katastrophe in Japan: EKD-Ratsvorsitzender ruft zum Gebet auf und kritisiert Nutzung der Kernkraft

 

Hannover (15. März 2011) - Angesichts der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan und der Situation in den dortigen Kernkraftwerken hat der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider, die Menschen in Deutschland zu anhaltendem Gebet aufgerufen. In einer Predigt am Sonntag kritisierte Schneider den Einsatz von Atomtechnik als „nicht menschengerecht“. Die Menschen hätten sich daran angewöhnt, mit Technik umzugehen,

 

 Toshihito Aisawa, 9 Jahre, der seine gesamte Familie verloren hat und jetzt mit einem Schild, auf dem ihre Namen geschrieben sind von Notunterkunft zu Notunterkunft geht. Er traut sich nicht, die Menschen anzusprechen und hält nur stumm sein Schild hoch. 'Morgen komme ich wieder her', steht auf dem Schild"Morgen komme ich wieder her"

 

Toyo, Japan (17. März 2011) - Die Pfarrerin der "Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Tokio-Yokohama", Elisabeth Hübler-Umemoto, schreibt im Tagebuchstil von der Stimmung und der momentanen Lage nach Deutschland:

 

16. März 2011, Nachmittag

 

Tief angerührt hat uns das Bild des kleinen Toshihito Aisawa, 9 Jahre, der seine gesamte Familie verloren hat und jetzt mit einem Schild, auf dem ihre Namen geschrieben sind von Notunterkunft zu Notunterkunft geht. Er traut sich nicht, die Menschen anzusprechen und hält nur stumm sein Schild hoch. "Morgen komme ich wieder her", steht auf dem Schild.* Nicht überall ist schon Trinkwasser eingetroffen. Man behilft sich mit Regenwasser. Inzwischen schneit es in weiten Teilen des Erdbebengebiets und Minustemperaturen sind für die Nacht angesagt.

Elisabeth Hübler-Umemoto, Pfarrerin der Evangelischen Kirche von Westfalen, ist seit Augsut 2003 von der Evangelischen Kirche in Deutschland als Auslandspfarrerin nach Tokio entsandt. Sie ist mit einem japanischen Theologen verheiratet. Das Ehepaar hat einen Sohn, der die japanische Schule besucht. Die Pfarrerin betreut die 1885 gegründete Gemeinde, deren Kirchengebäude im Stadtteil Gotanda liegt. Photo: EKD„Man kann im Grunde nur hoffen und beten“

Pfarrerin Elisabeth Hübler-Umemoto berichtet aus der deutschsprachigen Gemeinde in Tokyo

Tokyo, Japan (14. März 2011) - Seit 2003 leitet die westfälische Pfarrerin Elisabeth Hübler-Umemoto die deutschsprachige Auslandsgemeinde der EKD in Tokyo. Aus Japan berichtete sie am vergangenen Sonntag über das, was nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami kam:

„Liebe Freundinnen und Freunde, ab Morgen wird stundenweise der Strom abgeschaltet, deshalb melde ich mich jetzt noch einmal. Inzwischen sind die meisten deutschen Familien weggefahren. Die Firmen möchten ihre Mitarbeiter auch möglichst in Sicherheit wissen.