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26 | 07 | 2017
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Zum Weltfrühchentag am 17.11.2016

DIVI klärt über Muttermilch in der Intensivstation auf

Hamburg (17. November 2016) - Sie enthält mehr als 1.000 unterschiedliche Inhaltsstoffe in perfekter Zusammensetzung und macht deshalb weit mehr als nur satt. Muttermilch ist ein echter Krafttrunk und perfekt auf die Bedürfnisse des Neugeborenen abgestimmt. Beim Füttern überträgt die einzigartige Flüssigkeit auch Stoffe, die zur Abwehr von Bakterien, Viren und Pilze dienen. Die rund 200 verschiedenen Zuckerketten in der Muttermilch tragen darüber hinaus zur Gehirnentwicklung bei. „Da wundert es sicherlich nicht, dass Muttermilch auch auf der Frühchenintensivstation eine besondere Rolle spielt“, sagt Professor Gerhard Jorch, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.


In Deutschland kommen jedes Jahr fast 70.000 Kinder zu früh auf die Welt. Der vorzeitige Start ins Leben ist eine große Herausforderung. Das gilt für die Eltern, die um ihr an Kabeln angeschlossenes Kind bangen. Das gilt für das Kind selbst, denn es benötigt alle nur erdenkliche Hilfe. Und das gilt für die Ärzte und Pflegekräfte auf der Frühchenintensivstation, die alles tun, um das winzige neue Leben zu retten. „Dabei spielt die moderne Apparatemedizin natürlich eine wichtige Rolle“, erklärt Dr. Ralf Böttger, Oberarzt der Frühgeborenen-intensivstation im Perinatalzentrum der Universität Magdeburg. „Aber eben auch die Muttermilch, die sich als ganz natürlicher Lebensretter erweist.“ Denn neben Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett enthält sie Antikörper und Botenstoffe, die bedeutend sind für das Immunsystem und die frühkindliche Entwicklung. Muttermilch, so haben neuere Studien gezeigt, hat zudem besondere Auswirkungen auf das Gehirn. „Die zerebrale Langzeitwicklung und sogar der Intelligenzquotient sind abhängig von einer optimierten Nährstoffzufuhr und da haben wir mit der Muttermilch das optimale Lebensmittel“, sagt Dr. Böttger.

Doch es ist nicht nur die Nährstoffzufuhr, die dem Frühchen hilft zu überleben, sondern auch die Eltern-Kind-Beziehung, die bei der Gabe von menschlicher Milch entsteht. Das Stillen schafft und verstärkt das so genannte familiäre Bonding. Dieser aus dem englischen abgeleitete Begriff steht für kuscheln, fühlen, riechen sowie sich kennen lernen und ist wichtig für die emotionale Bindung. „Es legt nicht nur den Grundstein für das kindliche Urvertrauen, sondern ist ein entscheidender Faktor für die psychosoziale Langzeitentwicklung“, so der DIVI-Präsident, der seit fast 40 Jahren Frühgeborene behandelt.

Insbesondere sehr kleine unreife Frühgeborene sind in den ersten Lebenswochen durch Infektionen bedroht. Bessere Hygienekonzepte, gezielte Anwendung von Antibiotika und kritische Überprüfung von eingreifenden Überwachungs- und Therapiemaßnahmen haben bereits Erfolge gezeigt, obwohl die behandelten Frühchen immer kleiner und unreifer werden. Als vierte Säule der Infektionsabwehr sieht Dr. Böttger die Stärkung der individuellen Abwehrkraft der behandelten Frühgeborenen: „Die Oligosaccharide, die nicht in der Kuhmilch vorkommen, fördern die Bildung von Abwehrstoffen, sind wichtig für die Besiedlung des Frühgeborenendarms mit gesundheitsfördernden Darmbakterien und haben positiven Einfluss auf die Reifung des Immunsystems. Die Vielfalt dieser besonderen Zuckerketten bedarf weiterer Forschung. Jedoch wird Muttermilch wohl nie gleichwertig ersetzt werden können.“


DIVI-Kongress 2016 „Präzision und Komplexität“

Weitere Aspekte der Frühgeborenenmedizin werden auf dem diesjährigen DIVI-Kongress beleuchtet, der vom 30.11. bis zum 02.12.2016 in Hamburg stattfindet. Die Veranstalter bauen eine Frühchenintensivstation mit Kreißsaal-Erstversorgungseinheit auf, bei der alles außer den Patienten echt ist. So erhalten auch fachfremde Kongressbesucher einen Einblick.

„Wir freuen uns mit rund 6000 erwarteten Teilnehmern über stetig wachsende Besucherzahlen“, sagt Kongresspräsident Professor Stefan Kluge. „Damit ist der DIVI-Kongress der größte einer Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum zum Thema Intensiv- und Notfallmedizin und untermauert den immer wichtiger werden Stellenwert dieses Fachbereichs.“ Zum umfangreichen wissenschaftlichen Programm gehören neben der Frühgeborenenmedizin u.a. auch die Themen „Organspende und Organtransplantation, „Lungenembolie“, „Atemwegsmanagement“, „Zerebrales Monitoring“, „Respiratorisches Versagen“ sowie „Bewusstseinsstörungen und Koma“.

Wie in den vorangegangenen Jahren bietet der DIVI-Kongress 2016 wiederum das gesamte Spektrum der Intensiv- und Notfallmedizin in verschiedenen Formaten an. Dazu gehören wissenschaftliche Symposien, Workshops und Fortbildungskurse. Weitere wichtige Elemente des Programms sind der durchgehende Pflegekongress sowie der durchgehende Strang zu notfallmedizinischen Themen der den Stellenwert der Notfallmedizin unterstreicht. Ein besonderer Schwerpunkt wird erneut auf praxisorientiertes Handeln gelegt. Es werden insgesamt über 60 spannende und innovative Workshops angeboten, welche durch Simulatoren, Schauspieler und diverse reale Diagnostik- und Therapiegeräte den besonderen Charakter echter Hands-On Kurse haben und die Vielfalt der Intensiv- und Notfallmedizin widerspiegeln.

Eine schöne Tradition ist mittlerweile der DIVI Charity Lauf, der in diesem Jahr am 01.12.2016 stattfinden wird und dessen Erlös an die Organisation „Kinderhilfe Organtransplantation, KiO eV. geht. Die Schirmherrschaft für diesen Lauf hat das Vorstandsmitglied des KiO e.V. Herr Hartwig Gauder, Olympiasieger im Gehen, übernommen, der auch den Startschuss geben wird.

Kongressteilnehmer können am Simulationstraining des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst und des Kommandos Sanitätsdienst des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg teilnehmen. Die Hamburger Feuerwehr führt am 20.011. und 01.12. die Höhenrettung eines übergewichtigen Menschen.


DIVI weltweit einzigartig

Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 2000 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften und persönlichen Mitgliedern.


Die Experten der DIVI
 

  • Professor Gerhard Jorch ist Präsident der DIVI sowie Direktor der Universitätskinderklinik in Magdeburg.
  • Dr. Ralf Böttger ist Oberarzt der neonatologsichen Intensivstation im Perinatalzentrum der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg.
  • Professor Stefan Kluge ist der Kongresspräsident und Direktor die Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.


Weitere Informationen


Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V. , 16.11.2016 (tB).

 
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